Zitat der Woche:
"Wir werden noch weiter um den Fortbestand des Teams kämpfen."
(Hans-Michael Holzcer, der noch keinen neuen Sponsor für sein Team gefunden hat)
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26.09.2007 - Stuttgart (dpa) - Medaillen-Kandidat Sebastian Lang hat kein Blatt vor den Mund genommen und mit seinen Profi-Kollegen Erik Zabel, Patrik Sinkewitz und Jörg Jaksche abgerechnet.
Zwei Tage vor seinem WM-Auftritt im Zeitfahren kam der WM-Fünfte von Salzburg im Mannschafts-Hotel in Stuttgart-Degerloch derart in Fahrt, dass die Verbands-Vertreter rechts und links neben ihm auf dem Podium blass und sprachlos wurden. «Mich ärgert Zabels WM-Start, ich glaube ihm nicht, dass er nur eine Woche gedopt hat», sagte Lang, der den des Dopings überführten ehemaligen T-Mobile-Profi Patrik Sinkewitz «hirnlos» nannte und von der Anwendung der Kronzeugen-Regelung für den geständigen Jörg Jaksche nichts hält. «Ich hoffe, dass noch mehr Idioten erwischt werden», meinte Lang, der nach eigener Aussage «wenige Freunde im Peloton» habe. Aber: «Die will ich auch nicht haben.»
Die Verkürzung der Sperre für Jaksche auf ein Jahr könne er «nicht tolerieren» und dessen mögliche Rückkehr ins Peloton erst recht nicht. «Vor vier Jahren hat er mir erzählt, dass er mich am Berg auch mit Fieber abhängt. Jetzt wissen wir, woran das lag. Er hat uns alle betrogen». Als Lang die diesjährige Tour de France wegen eines Fersenbeinbruchs nur vor dem Fernseher verfolgen konnte, packte den 28-jährigen Profi aus dem Team Gerolsteiner tiefe Depression: «Ich wollte 2008 aufhören. Mir war zwar klar: Das ist viel zu früh und wirklich schade. Aber wenn ich sehe, dass um mich herum vollkommen unnatürliche Leistungen gebracht werden, dann kotzt mich das an. Ich hatte keinen Bock mehr auf den Zirkus.»
Die Nachricht, dass er im März 2008 Vater werden wird, habe dem Erfurter «über alle Krisen hinweggeholfen». Jetzt glaubt er wieder an eine sportliche Zukunft und daran, dass sein Team 2009 mit einem neuen Sponsor weitermachen kann. Für das Zeitfahren über 44,9 Kilometer ist Lang, der zuletzt mit dem dreifachen Vize-Weltmeister Michael Rich intensiv im Breisgau trainierte, hoch motiviert: «Ich werde alles Menschenmögliche tun, um in Stuttgart guten, ehrlichen, sauberen Sport zu bieten.»
Auch der zweite deutsche Starter, T-Mobile-Profi Bert Grabsch, hat am Killesberg einiges vor, auch wenn er Titelverteidiger Fabian Cancellara (Schweiz) für fast unschlagbar hält. Wie Lang freut sich auch Grabsch über steigende Qualität und Quantität der Kontrollen. «Das kommt mir zugute», sagte der deutsche Meister mit Blick auf seinen Vuelta-Zeitfahrsieg. Bei der Spanien-Rundfahrt sei er schon öfter Vierter oder Fünfter im Kampf gegen die Uhr geworden: «Da waren dann plötzlich Bergfahrer viel schneller als ich, da wundert man sich schon.» Lang und Grabsch rechnen auch bei der WM nicht mit sauberem Sport. Lang: «Natürlich fahren da auch welche rum, die voll sind.»
Die bei Jaksche angewendete Kronzeugen-Regelung findet Lang «zum Heulen». Eine einjährige Sperre, wie sie auch Sinkewitz, der am 26. Oktober vor der Staatsanwaltschaft in Bonn auspacken will, gerne hätte, hält der Erfurter für «einen Witz»: «Solche Leute sollten lebenslang gesperrt werden und man müsste ihnen alles Geld wegnehmen, dass sie mit dem Betrug verdient haben». Lang teilte weiter aus: «Sinkewitz hat kein Gehirn. Wer auf eine solche Art seinen Sport und viele Arbeitsplätze gefährdet, kennt kein Verantwortungsbewusstsein.» Der Deutschland-Tour-Sieger von 2004 hatte sich in der Vorbereitung zu Tour mit einem Testosteron-Pflaster gedopt, erklärte das später als «instinktive Handlung». Er wird vom Jaksche-Anwalt vertreten.
Zum WM-Start Zabels äußerte sich Lang unmissverständlich: «Ich bin enttäuscht von Erik. Ich habe großen Respekt vor seinen Leistungen, aber ich bin enttäuscht darüber, dass er auf diese WM nicht von sich aus verzichtet und den Jüngeren den Vortritt lässt, so wie es bei uns Udo Bölts nach seinem Geständnis getan hat.» BDR-Chef Rudolf Scharping zeigte kaum Verständnis für die Tiraden: «Meinungsfreiheit gehört zur Demokratie wie eine Mehrheitsentscheidung. 75 Prozent des BDR-Präsidiums haben für einen Zabel-Start gestimmt.»
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