"Ich habe extrem viele Gespräche"

Holczer muss bis Mai neuen Sponsor finden

29.11.2007  |  Hillesheim (dpa) - Der Kampf um 66 Arbeitsplätze läuft seit vielen Wochen und soll bis spätestens Mai 2008 entschieden sein.

«Bis April/Mai muss ich einen neuen Sponsor für 2009 haben, sonst müsste ich meinen Fahrern sagen, sie sollen sich nach etwas anderem umschauen», sagte Hans-Michael Holczer, Manager des Teams Gerolsteiner, dessen bisheriger Finanzier den Geldhahn zum Ende der kommenden Saison nach acht Jahren zudreht. «Der Hans schafft es. Wenn nicht, werde ich mich mich im Sommer durch gute Leistungen weiter empfehlen», sagte Markus Fothen, der zusammen mit Linus Gerdemann vom einstigen Konkurrenz-Team T-Mobile zu den hoffnungsvollsten deutschen Rundfahrern zählt.

Nach dem Telekom-Ausstieg ist die Mineralwasser-Mannschaft die erste Adresse im Lande. Als zweites deutsches ProTour-Team 2008 will Erik Zabels Milram-Team aufschließen. Der Milch-Produzent aus Bremen hat seinem doping-belasteten, bisherigen Manager Gianluigi Stanga (Italien) die Lizenz abgekauft und setzt unter der Regie des Niederländers Gerry van Gerwen ganz auf Schwarz-Rot-Gold. Die Ex-T- Mobile-Crew mit Manager und Multi-Millionär Bob Stapleton an der Spitze wird wohl mit amerikanischer Lizenz fahren, zumal Gespräche mit einem US-Logistik-Unternehmen weit gediehen sein sollen.

Deutsche Geldgeber für den Radsport zu begeistern dürfte im Moment nahezu unmöglich sein. «Es müsste sicher mindestens ein Sponsor mit internationalem Zuschnitt sein», meinte Stefan Göbel, Marketing-Chef bei Gerolsteiner, im Hinblick auf Holczers Suche. «Ich habe extrem viele Gespräche. Es ist ein Stück Arbeit und es läuft viel nach vorne. Es ist aber nicht so, dass die Interessenten Schlange stehen», berichtete Holczer («Ich komme gerade aus dem Ausland») beim Mannschaftstreffen in Hillesheim einen kurzen Zwischenbericht seiner Aquise-Bemühungen.

Das «Thema Erfolg» spiele in seiner Bewerbungs-Mappe keine Rolle, erklärte Holczer und passt sich wohl damit der derzeitigen Stimmungslage an. «Ich verkaufe eine Perspektive, ein junges Team mit der richtigen Einstellung und außerordentlichen sportlichen Aussichten», pries der ehemalige Geschichts- und Mathematik-Lehrer sein Produkt. Der Preis für das komplette Team: Rund neun Millionen Euro pro Jahr. Geradezu ein Schnäppchen, wenn die enormen Werbewirksamkeiten des Radsport hochgerechnet werden. Allerdings ist ein Engagement in dieser Branche wie bekannt hoch mit Risiken verbunden wegen der nicht abreißenden Doping-Enthüllungen.

Die schlechten Nachrichten in dieser Richtung werden nach Holczers Meinung noch zunehmen - und das sei gut so. Die neuen Blutpass- Bestimmungen des Weltverbandes UCI würden für «genug neue positive Fälle» sorgen und damit den Beweis für Effektivität erbringen und langfristig die Chancengleichheit steigern, hofft Holczer. Nach den ab 1. Januar 2008 gültigen Richtlinien müssen alle Profis der 20 ProTour-Teams und die Fahrer derjenigen Mannschaften, die Wildcards für die großen Rennen beantragen, pro Saison zehn Blut- und fünf Urin-Kontrollen über sich ergehen lassen. Holczer: «Es wird im nächsten Jahr 7000 Kontrollen geben, 2006 waren es 150.»

Beim feuchtfröhlichen Team-Treffen in der Vulkaneifel gab es für die Gerolsteiner-Profis jedenfalls schon die ersten Schweiß treibenden Unterrichtsstunden im neuen UCI-Adams-System. Darin müssen sich die Fahrer an- und abmelden, um für die Kontrolleure immer greifbar zu sein. Holczer, der als Beamter des Landes Baden- Württemberg bis 2009 in den Schuldienst zurückkehren kann, schwärmt geradezu: «Der biologische Pass ist ein Meilenstein.»

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