Profi-Radsport

92. Flandern-Rundfahrt

Zabel kämpft sich durchs flämische Fegefeuer

06.04.2008 - (sid/rsn) - In Belgien steht heute die 92. Flandern-Rundfahrt auf dem Programm. Als aussichtsreichste deutsche Kandidaten gehen dabei Milram-Kapitän Erik Zabel und Klassiker-Spezialist Andreas Klier vom T-Mobile-Nachfolger High Road an den Start. Der 38 Jahre alte Zabel will nach zwei vierten Plätzen endlich einmal aufs Podest, der 32-jährige Klier seinen zweiten Rang von 2005 möglichst noch toppen.

Hunderttausende Radsportfans werden den "höchsten flämischen Feiertag" wieder entlang des den 264km langen Kurses von Brügge nach Ninove bei Brüssel feiern, vor allem an den zahlreichen giftigen "Hellingen", enge Anstiege mit zumeist Kopfsteinpflaster und bis zu 20 Prozent Steigung. Die wohl berühmtesten davon sind wohl der Koppenberg und die berüchtigte Mauer von Geraardsbergen 15km vor dem Finale. Eurosport überträgt live ab 13 Uhr.

Die Wetterprognosen deuten darauf hin, dass es bei Regen, Kälte und Wind eine Fahrt durchs Fegefeuer wird. Serien an Reifenpannen und Stürzen sind vorprogrammiert. Im Vorjahr erwischte es Zabel 80km vor dem Ziel so schwer, dass er die Fahrt im Krankenwagen beenden musste. Wer eine Siegchance haben will, muss sich immer möglichst weit vorn halten.

Die kraftzehrende Strecke lädt Einzelkämpfer zu Ausreißmanövern ein. "Die zahlreichen giftigen Anstiege ziehen dir die Kraft aus den Muskeln. Deshalb kommen in Ninove meist nur Solisten oder kleine Gruppen an", sagt Jan Schaffrath, sportlicher Leiter bei High Road. Deutsche Siege bei der "Ronde" gab es bislang nur durch Rudi Altig 1964 und den früheren T-Mobile-Profi Steffen Wesemann 2004. Der mittlerweile 37 Jahre alte Wesemann, seit 2005 Schweizer Staatsbürger, tritt bei seiner wahrscheinlich letzten „ Ronde“ als Kapitän des Unibet-Nachfolgers Cycle Collstrop an und wird vom ehemaligen Gerolsteiner David Kopp unterstützt.

Mit Startnummer 1 führt der Italiener Alessandro Ballan (Lampre) die 200 Starter aus 25 Teams an. Sein drittes „Monument“ Coup nach Mailand-San Remo und Paris-Roubaix 2006 will der Schweizer Zeitfahr-Weltmeister Fabian Cancellara (CSC) gewinnen. Zu den Favoriten zählen natürlich wieder die Lokalmatadoren, angeführt von Quick Step-Kapitän Tom Boonen, dem Sieger 2005/06. Den großen Coup will nach zwei zweiten Plätzen 2006/2007 endlich Boonens Landsmann Leif Hoste (Silcene-Lotto) landen. In Flandern-Form befindet sich auch der erst 25 Jahre alte zweimalige Het Volk-Sieger Philippe Gilbert (Fdjeux). Zusammen mit der französischen Frühjahrsüberraschung Sylvain Chavanel wird ein weiterer aussichtsreicher Belgier, Nick Nuyens, die Cofidis-Doppelspitze bilden.

Lediglich Außenseiterchancen rechnet man sich bei Gerolsteiner aus. "Das Profil von Flandern und Paris Roubaix ist für uns nicht gerade ideal", sagt Manager Hans-Michael Holczer, dessen Hoffnungen auf Heinrich Haussler ruhen: "Eigentlich sind solche Strecken gut für ihn. Ich weiß nur nicht, ob er endlich wieder an seine Form von vor drei Jahren anknüpfen kann."

Parallel zu dem 1913 aus der Taufe gehobenen Traditionsrennen findet heute parallel die 5. "Ronde van Vlaanderen" der Frauen mit den deutschen Ex-Weltmeisterinnen Judith Arndt vom Team High Road und Regina Schleicher von der Equipe Nürnberger statt. Das dritte Rennen im Frauen-Weltcup beginnt im ostflämischen Oudenaarde und endet nach 114km in Ninove-Meerbeke.

Live-Ticker