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07.04.2008 - Thurgau/Bonn (dpa/sid) – Die Ermittlungen der Bonner Staatsanwaltschaft gegen Jan Ullrich stehen offenbar vor dem Abschluss. "Wir nähern uns dem Ende", erklärte der Bonner Oberstaatsanwalt Friedrich Apostel dem Sportinformationsdienst sid im. Er gehe von einem kurzfristigen Abschluss des Verfahrens noch in dieser Woche aus.
Allerdings wird die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen auf eine Akte, die in der Schweizer Villa des ehemaligen T-Mobile-Kapitäns sichergestellt wurde, verzichten müssen. Ein dünner Ordner vorwiegend mit Anwaltspost habe er dem Tour-de-France-Sieger von 1997 zurückgeschickt, sagte der leitende Staatsanwalt des Kantons Thurgau, Hans-Ruedi Graf, der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Der Ordner war das umstrittenste Stück.» Die restlichen Akten und Daten, die noch beim Bezirksamt in Kreuzlingen lagern, würden noch in dieser Woche an die Bonner Behörde versandt. «Das sind die Sachen, die im Ausscheidungsverfahren von der Staatsanwaltschaft Bonn angefordert wurden», sagte Graf. Die Unterlagen waren bei einer Durchsuchung der Ullrich-Villa in Scherzingen am 13. September 2006 sichergestellt worden, als dieser in den Flitterwochen war.
Als wahrscheinlich gilt die Einstellung des Verfahrens mit Zahlung einer Geldbuße nach Paragraf 153a der Strafprozessordnung. "Darauf könnte es hinauslaufen", sagte Apostel. Eine Einigung hänge «nicht an Zahlungen allein, das setzt sich zusammen aus verschiedenen Komponenten». Die «Bild»-Zeitung mutmaßte, dass das Verfahren gegen eine Zahlung von 250.000 Euro eingestellt werden könnte. Das Magazin «Focus» hatte von einer Million Euro berichtet. Dass für Ullrich bei einem solchen Deal nach den Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs trotz belastender Doping-Indizien weiter die Unschuldsvermutung gilt, stört Apostel nicht: «Da werde ich keine Bauch- oder Kopfschmerzen haben.»
Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen Ullrich wegen Betruges zu Lasten seines ehemaligen Sponsors T-Mobile. Der Magenta-Rennstall hatte seinen ehemaligen Star Anfang Juli 2006 unmittelbar vor der Tour de France suspendiert, drei Wochen später war der Vertrag aufgelöst worden. «Wir beobachten das aufmerksam, sind aber kein direkter Teilnehmer der Entwicklung», kommentierte Christian Frommert, Sponsoringleiter der Deutschen Telekom, die jüngsten Geschehnisse.
Ullrich hat jegliches Doping stets bestritten. Die Bonner Ermittler hatten ihm durch einen DNA-Abgleich nachgewiesen, dass 4,5 Liter seines Blutes beim spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes lagerten. Außerdem wurden Konto-Bewegungen zwischen Ullrich und Fuentes zumindest über 25.000 Euro belegt. Zuletzt wurde das einstige Sportidol durch die Aussagen seines ehemaligen Masseurs Jef D`hont und einen Bericht des Untersuchungsausschusses der Uniklinik Freiburg erneut belastet. Ullrich hatte im Februar 2007 seinen Rücktritt erklärt. Nach wie vor ermittelt der Schweizer Verband weiter wegen Dopingverdachts gegen den 34-Jährigen.
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