Profi-Radsport

Apostel: "Ullrich hat gedopt"

Ullrichs Anwalt: "Üble Nachrede"

14.04.2008 - Berlin (dpa/rsn) - Jan Ullrich kann nach der Einigung mit der Bonner Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer sechsstelligen Summe verschnaufen.

Doch die Frage stellt sich, warum Oberstaatsanwalt Fred Apostel das Verfahren einstellte, wenn er kurz danach behauptet: «Unsere Ermittlungen über 21 Monate haben ergeben: "Ullrich hat gedopt". Diese Behauptung empört Ullrichs Anwalt Johann Schwenn. Er wirft Apostel «üble Nachrede» vor. Die Aussage nannte Schwenn «eine sehr mutige Erklärung». Der Anwalt sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Wenn ausreichender Tatverdacht besteht, soll der Staatsanwalt Anklage erheben. Herr Apostel ist nicht dazu da, üble Nachrede in die Welt zu setzen».

Der Radstar beteuert dagegen weiter: «Ich war immer ein fairer Sportler. Etwas anderes wird auch niemand behaupten, der mich persönlich kennt. Meine Erfolge sind Ergebnis von harter Arbeit und der Leidenschaft für meinen Sport - und ich bin sehr stolz auf meine lange und erfolgreiche Karriere. Die Einstellung des Verfahrens gibt mir die Möglichkeit, mich auf meine Zukunft und neue berufliche Herausforderungen zu konzentrieren.»

Er könne allerdings «nicht verhindern, dass es auch nach der Erledigung der Betrugsvorwürfe noch immer Spekulationen über mich geben wird». In diese Richtung äußerte sich auch der geständige Doping-Kronzeuge und ehemalige Team-Kollege von Ullrich, Jörg Jaksche: «Es ist sicher korrekt, dass der Vorwurf des Betruges fallen gelassen wurde, weil er keinen betrogen hat, wenn Doping gang und gäbe war. Aber jeder kann sich hat nach den bekannten Indizien seinen Reim auf Ullrich und das Thema Doping machen», sagte er der dpa.

In seiner vom Anwalt Marcus Hotze verbreiteten Stellungnahme benutzte Ullrich in 46 Zeilen nicht einmal das Wort «Doping» und betonte: «Ein Geständnis konnte es gar nicht geben, weil es keinen Betrogenen gibt.» Diese stets wiederkehrende Wertung ist für Staatsanwalt Apostel ein Beweis für «eine Grundeinstellung, die im Radsport zur aktiven Zeit des Beschuldigten weithin vorherrschte». Im Klartext: Doping war an der Tagesordnung. Laut Apostel war «Ullrich zwar ein herausragendes Talent, kam aber eventuell zu der Erkenntnis», dass er ohne Doping nicht konkurrenzfähig sein würde. Weil «Doping im Radsport in starkem Maße» verbreitet gewesen sei, wäre seine Hemmschwelle herabgesetzt worden.

Ullrich sei durch den Verlust seines Arbeitsplatzes, finanzieller Einbußen, «ganz zu schweigen vom Imageverlust», nach den Worten des Staatsanwaltes «genug bestraft». Die Ermittlungen gegen Ullrichs ehemaligen Betreuer Rudy Pevenage gehen in Bonn weiter und im Zuge dessen könnten auch weitere ehemalige Funktionsträger der Team- Führung in den Focus der Justiz geraten. Allerdings dementierte Apostel, dass er bereits gegen den ehemaligen Ullrich-Team-Kollegen und jetzigen Astana-Profi Andreas Klöden ermittle.

«Meine Frau und ich sind froh, dass der überfällige Schlussstrich unter dieses Verfahren gezogen wurde. Ich habe lange überlegt, ob ich das Angebot der Staatsanwaltschaft annehmen soll ­ vor einem Gerichtsverfahren hatte ich keine Angst», schreibt Ullrich auf seiner Homepage. «Ausschlaggebend für meine Entscheidung war vor allem der Wunsch, meine Familie vom öffentlichen Druck des Verfahrens zu befreien. Auch wirtschaftliche Gründe haben eine Rolle gespielt ­ ein Kampf bis zum Freispruch hätte mich wesentlich mehr Geld gekostet. Zur Zahlung einer Geldauflage war ich nur bereit, weil der Grossteil der Summe für gute Zwecke bestimmt ist. Die Zahlung ist aber kein Schuldeingeständnis.»