Profi-Radsport

Sponsorfrage ungelöst, Liquigas ausgeladen

Graue Wolken über dem Henninger Turm

29.04.2008 - Frankfurt/Main (dpa/rsn) - «Rund um den Henninger Turm» ist seit Jahrzehnten fester Bestandteil des internationalen Kalenders und zählt zu den bedeutendsten deutschen Rennen. Doch über der 47. Auflage des hessischen Frühjahrsklassikers hängen einige graue Wolken – und das nicht nur, weil die Meteorologen für Donnerstag unbeständiges Wetter gemeldet haben.

So hat Veranstalter Bernd Moos-Achenbach nach dem angekündigten Ausstieg des langjährigen Geldgebers immer noch keinen Titelsponsor für das kommende Jahr gefunden. Zudem ist die Besetzung des ersten großen Rennens in Deutschland in diesem Jahr noch ungewiss. Am Montag strichen die Organisatoren das italienische Liquigas-Team aus der Startliste, weil der neue Rennstall des ehemaligen Fuentes-Kunden Ivan Basso nicht bereit war, eine zum Anti-Doping-Programm des Rennens zählende «Ehrenerklärung» zu unterzeichnen.

Bangen müssen die Veranstalter noch um den Start des dreifachen Henninger-Siegers Erik Zabel, der bei seinem wohl letzten Auftritt das Zugpferd sein sollte. Doch der 37-Jährige hat noch keine Zusage gegeben. «Es sieht schlecht aus. Wir haben nur wenig Hoffnung auf einen Start von Erik», sagte Milram-Sportdirektor Jochen Hahn am Wochenende, nachdem Zabel seinen Start bei Lüttich-Bastogne-Lüttich verletzungsbedingt absagen musste. Nach seinem Sturz beim Flèche Wallone leidet der Routinier unter schmerzhaften Blutergüssen im rechten Knie und im linken Ellbogen.

Zabel wird sich deshalb wahrscheinlich seinen Traum vom vierten Sieg in der Mainmetropole nach 1999, 2002 und 2005 nicht erfüllen können. Auch Alessandro Petacchi als zweiter Sieggarant des seit dieser Saison mit deutscher Lizenz fahrenden Milram-Teams dürfte in Frankfurt ausfallen: Der 34 Jahre alte Italiener musste zuletzt wegen einer hartnäckigen Erkältung eine Trainingspause einlegen und wird seine Kräfte mit Blick auf den Giro d`Italia wohl schonen.

Ein Fernbleiben des Sprintduos würde die Siegchancen des Gerolsteiner-Teams erhöhen. «Wir werden sicherlich versuchen, vor dem Schlussspurt eine Entscheidung zu suchen», sagte Teamchef Hans-Michael Holczer, der das Rennen auch im Hinblick auf die Suche nach einem neuen Hauptsponsor sehr ernst nimmt. Wie am Wochenende in der Wallonie, als das Gerolsteiner-Team das komplette Rennen über sehr präsent war und einen Sieg durch den Italiener Davide Rebellin nur knapp verpasste, will der bekannteste deutsche Rennstall auch in Frankfurt Werbung in eigener Sache machen.

Mit dem WM-Dritten Stefan Schumacher und den beiden Henninger-Siegern Rebellin (2003) und dem Schweizer Markus Zberg (2001) sowie Fabian Wegmann schickt Holczer ein starkes Team auf die 179 Kilometer lange Strecke durch den Taunus und die Bankenmetropole. Doch die Konkurrenz durch 19 Mannschaften, darunter sieben weitere ProTour- Teams, ist stark. So hat der T-Mobile-Nachfolger High Road mit Gerald Ciolek, 2006 schon einmal Zweiter auf der Darmstädter Landstraße, einen heißen Siegkandidaten dabei, falls es zu einer Sprintankunft einer größeren Gruppe kommen sollte. Das dänische CSC-Team, bei dem Jens Voigt wegen seiner Teilnahme an der Tour de Romandie fehlt, setzt auf den Niederländer Karsten Kroon, den Sieger von 2004.

Gemeldet haben in diesem Jahr auch die beiden französischen Equipes Ag2r (mit Cyril Dessel) und Credit Agricole (mit den drei Sprintern Angelo Furlan, Jeremy Hunt und Mark Renshaw). Den Kreis der ProTour-Teams schließen Silcence-Lotto, das vom ehemaligen U23-Zeitfahrweltmeister Dominique Cornu angeführt wird, und das niederländische Rabobank-Team (mit dem Australier Greame Brown und dem Hannoveraner Grischa Niermann).

Der Unibet-Nachfolger Cycle Collstrop reist mit dem Schweizer Steffen Wesemann und dem Kölner David Kopp an, und auch das österreichische Volksbank-Team (mit René Weissinger, André Korff, Daniel Musiol und Olaf Pollack) und das niederländische Skil Shimano-Team (mit Sebastian Siedler und Robert Wagner) setzen auf deutsche Fahrer.

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