Profi-Radsport

Wegen Doping-Berichterstattung

Klöden will nie mehr für Deutschland starten

20.05.2008 - (dpa//sid/rsn) - Der seit Jahren in der Schweiz lebende Andreas Klöden will nie wieder für Deutschland starten. Dies gelte auch für die Olympischen Spiele in Peking. Als Grund gab der Astana-Kapitän gegenüber der italienischen Zeitung „Gazzetta dello Sport“ die kritische Berichterstattung der deutschen Medien über Doping im Radsport an.

Der 32-jährige Wahlschweizer beschwerte sich in der italienischen Sportzeitung über die «radsportfeindliche Stimmung» in seinem Heimatland. Er habe «mit Deutschland abgeschlossen», sagte Klöden. «Die deutschen Journalisten haben den Radsport umgebracht», erklärte er weiter. Deshalb sei er vor fünf Jahren nach Kreuzlingen in die Schweiz in die Nähe seines Freundes Jan Ullrich gezogen. Er würde gerne bei den Olympischen Spielen in Peking starten, «aber für Deutschland mache ich das nicht».

Die Olympia-Strecken in Peking würden ihm liegen: «Mir gefallen die beiden Straßenrennen. Aber für Deutschland mache ich das nicht. Dieser Traum ist unrealistisch», sagte Klöden vor dem ersten Giro- Einzelzeitfahren in Pesaro. Auf die Doping-Aussagen seines ehemaligen T-Mobile-Team-Kollegen Patrik Sinkewitz angesprochen, meinte Klöden, der über deutsche Journalisten einen Presse-Boykott verhängt hat: «Er hat auch Paolo Bettini beschuldigt. Das war nur eine Seifenblase. Ich habe immer sauber gearbeitet.»

Gegenwärtig hält sich der zweifache Zweite der Tour de France für einen der am besten überwachten Sportler. «In dieser Saison wurde ich 22 Mal kontrolliert, siebenmal davon im Rahmen des Antidoping- Programms von Astana», sagte er. Fünf verschiedene Institutionen würden ihn beobachten: «Die WADA, der Weltverband UCI, der PWC für das Astana-Programm, der Schweizer Radsportverband und die NADA. Wir von Astana werden umfassender kontrolliert als die meisten anderen», sagte Klöden weiter. Nur vier Teams hätten ein wirkliches Kontrollsystem: «Slipstream, High Road, CSC und Astana. Ricco von Saunier Duval und Rebellin von Gerolsteiner werden nicht so kontrolliert wie ich.»

Der Zwischenbericht der Untersuchungs-Kommission zu den Vorfällen an der Uni-Freiburg, in deren Sportmedizin bis zu ihrer Entlassung die ehemaligen Telekom- und T-Mobile-Teamärzte Lothar Heinrich und Andreas Schmid Dienst taten, hatte Klöden in Doping-Nähe gerückt. Der Bericht belegte eine nächtliche Medikamenten-Sendung aus Freiburg für Klöden am 8. März 2000 im Wert von 1000 D-Mark. Klöden hatte dazu erklärt: «Es handelte sich um Vitamine.»

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