Profi-Radsport

Präsentation des Coast-Team im Reichstag

01.02.2001 -

Berlin (dpa) - Der Politik-Rentner Hans-Dietrich Genscher drückt dem neuen deutschen Rad-Team Coast die Daumen. Mit dem Ex- Außenminister als Ehrengast und dem 33-jährigen Alex Zülle als Mannschafts-Kapitän präsentierte sich Coast im Berliner Reichstag zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Ein Jahrestat von über zehn Millionen Mark und neue Konzepte sollen der neu gegründeten Mannschaft einen Spitzenplatz im internationalen Radsport sichern.

«Wenn wir clean sein wollen, müssen wir das Jahres-Rennprogramm der Fahrer auf 90 bis 95 Tage reduzieren», erklärte Teamleiter Wolfram Lindner, der mit seiner Mannschaft direkt vom Höhen- Trainingslager aus Toluca/Mexiko in Berlin einflog. Zülle staunte: «So viel habe ich im Winter in den letzten beiden Jahren zusammen nicht trainiert.»

Der ehemalige Erfolgstrainer des DDR-Radsports, zuletzt als Schweizer National-Coach tätig, handele nach der Devise «Höhentraining statt EPO». Lindner spielte dabei auf die im Radsport offensichtlich weit verbreitete Droge an, die dem Blut ähnlich wie Übungsstunden über 2 000 Meter den Sauerstofftransport erleichtert. Den Vorwurf, seine 23-köpfige Mannschaft zieren an der Spitze vor allem Radsport-Senioren konterte der Teamchef: «Ich sehe Fernando Escartin und Alex Zülle nicht als Pensionäre, bei uns wollen sie zu neuen Höhen.»

Die große Unbekannte in der Saisonplanung des Teams aus dem Ruhrpott ist die Berufung zur Tour de France. In der ersten Nominierung war die Mannschaft des Textilunternehmers Günther Dahms noch nicht dabei. Coast hofft jetzt auf eine der vier Wild Cards, die der Veranstalter Ende April vergeben wird.

«Ich will zur Tour. Wir müssen uns jetzt durch Siege im Frühjahr empfehlen. Deshalb fahre ich Paris-Nizza im März auf Sieg», sagte Zülle. Der Start bei der Deutschland-Tour und bei der Spanien- Rundfahrt sowie bei sämtlichen Klassikern sei gesichert, sagte Lindner, der bei einem Tour-Zuschlag im Mai wieder ein Höhen- Trainingslager aufschlagen will.

Der Schweizer Zülle, ehemaliger Festina-Fahrer, der 1998 im Polizei-Gefängnis Doping gestanden hatte, wollte von der Vergangenheit nichts mehr wissen: «Das ist kein Thema mehr für mich. Beim Zurückblicken würde ich nur Energie vergeuden. Deshalb kann ich auch nichts zur Sperre von Richard Virenque sagen.»

Der Blick nach vorne ist bei Coast relevant. «Der Etat ist im Minimum auf fünf Jahre gesichert. Wir planen langfristig», versprach Dahms, der am Donnerstag sympathisch im Hintergrund blieb. Von spezieller Konkurrenz zum deutschen Marktführer wollte Dahms nicht sprechen: «Ein Vergleich verbietet sich. Telekom ist das beste Team der Welt, bei uns schlägt gerade die Stunde Null.»

«Normalerweise klappt es nicht auf Anhieb mit einem neuen Team. Das dauert schon ein, zwei Jahre. Aber dann kann Coast sicher vorne mitmischen», warnte Ex-Stunden-Weltrekordler Tony Rominger (Schweiz) in Berlin vor zu großen Erwartungen an die Mannschaft, in der nur acht deutsche Fahrer stehen. Daniel Becke (Erfurt) aus dem Goldvierer von Sydney ist neben dem erfahrenen Rafael Schweda (Rostock) das Aushängeschild der Einheimischen.

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