Profi-Radsport

Ullrich pokert um Vertrag

05.02.2001 -

Berlin/Düsseldorf (dpa) - Der Vertragspoker um Olympiasieger Jan Ullrich (Merdingen), dessen Kontrakt beim Team Telekom Ende des Jahres ausläuft, ist offensichtlich in vollem Gang. «Ich bin nicht tausendprozentig abgeneigt, ins Ausland zu wechseln», sagte der 27 Jahre alte Toursieger von 1997 dem «Handelsblatt».

«Es gibt keine Differenzen, ich bin sicher, wir einigen uns noch vor der Tour. Es ist doch normal, dass man von seinem Arbeitgeber mehr verlangt, wenn der Vertrag nach vier Jahren ausläuft und man erfolgreich war», sagte Telekom-Kommunikations-Direktor Jürgen Kindervater der dpa.

Für Ullrich-Manager Wolfgang Strohband (Hamburg) ist «ein Wechsel fast ausgeschlossen», zumal Ullrich, derzeit wieder zum Training in Südafrika, bei einem neuen Team nach eigenem Bekunden «keine Garantie hat, gleich gute Bedingungen vorzufinden». Erste Gespräche über eine Vertrags-Verlängerung seines Schützlings hätten mit Telekom bereits stattgefunden. Teamchef Walter Godefroot (Belgien) will die Unterschrift möglichst bis Mai unter Dach und Fach haben. Die Dauer von mindestens drei Jahren ist unter den Partner nicht strittig. Kindervater: «Wenn Jan für vier Jahre unterschreiben will, geht das auch.»

Die Deutsche Telekom, die das erfolgreiche Rad-Team im Jahr mit mindestens 20 Millionen Mark unterstützt, zahlt Ullrich bisher mehr als geschätzte zwei Millionen Mark pro Jahr. Mit Werbung sollen rund sieben Millionen Mark zusammenkommen. Strohband denkt an die zweistellige Millionengrenze. «Wir hoffen, da irgendwann ranzukommen», sagte er. Telekom engagiert sich seit zehn Jahren im Profi-Radsport.

Der bisherigen Politik im Team folgend, könnte sich Kindervater auch vorstellen, Ullrich nach Ende seiner aktiven Laufbahn bei Telekom weiter zu beschäftigen: «Das haben wir mit verdienstvollen Fahrern wie Olaf Ludwig und Mario Kummer auch getan.» Ullrich, der Ende Februar ihn Spanien zum ersten Mal ins Wettkampfgeschehen 2001 eingreifen will, setzt in diesem Jahr alles daran, die Tour de France nach zuletzt zwei zweiten Plätzen 1998 und 2000 ein zweites Mal zu gewinnen.