Profi-Radsport

Reaktionen auf den Fall Duenas

Prudhomme: Wir finden die Betrüger

16.07.2008 - Foix (dpa/rsn) - Bei der 95. Tour de France hat ein weiterer Dopingfall das sportliche Geschehen an den Rand gedrängt. Kurz vor dem Start der 11. Etappe in Lannemezan wurde bekannt, dass der Spanier Moises Duenas nach dem von Stefan Schumacher gewonnenen Zeitfahren rund um Cholet positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden war. Sein britisches Barloworld-Team, das die Tour fortsetzte, suspendierte den bisherigen 19. der Gesamtwertung mit sofortiger Wirkung. «Mit diesem Problem muss jetzt jedes Radsport-Ereignis kämpfen. Wir finden die Betrüger», kommentierte Tour-Direktor Christian Prudhomme die zweite Hiobsbotschaft dieser Rundfahrt nach dem Fall Manuel Beltran (Liquigas).

Um 9.00 Uhr morgens schlugen die Kommissare im «Hotel Rex» in Tarbes zu. Polizeibeamte und ein Vertreter der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD durchsuchten Duenas` Hotelzimmer und nahmen den 27-Jährigen anschließend mit aufs Revier, um ihn stundenlang zu verhören.

«Das Team und der Fahrer waren geschockt. Wir haben ihn aus dem Rennen genommen und warten auf die B-Probe», sagte Barloworld-Sprecher Claudio Basnata. „Das Team ist in keiner Weise in diese Geschichte verwickelt, und wir leiten strenge Maßnahmen gegen jeden in die Wege, der unsere Glaubwürdigkeit und den Ruf unseres Teams beschädigt“, wird Teamchef Claudio Corti auf der Barloworld-Website zitiert.

Im Fahrerlager und unter den Teamchefs wurde die neuerliche Schreckensmeldung gelassen aufgenommen. «Es ist gut, dass Leute rausgefischt werden. Das wird wohl noch so weitergehen», meinte Columbia-Teamchef Bob Stapleton.

Vor Duenas war nach der 1. Etappe dessen Landsmann Beltran als erster EPO-Konsument der Tour 2008 überführt worden. Mit dem Bergspezialisten, der auf der zweiten Pyrenäenetappe in Hautacam Platz elf belegt hatte, dürfte bei dieser Tour das Ende der Fahnenstange in Sachen Doping noch nicht erreicht sein. So ranken sich um den populären Franzosen Christoph Moreau (Agritubel), den letzten sportlich Überlebenden des Skandal-Teams Festina von 1998, erneut Doping-Gerüchte. «Ich bestätige nochmals, dass mein Name nicht auf dieser Liste steht. Mittlerweile müssen wir uns rechtfertigen, wenn wir gewinnen, wenn wir eine Niederlage erleiden oder wenn wir wie ich wegen Schmerzen aussteigen», sagte der 37-jährige Moreau, der während der 7. Etappe wegen Rückenbeschwerden aufgab, der «L`Équipe».

Das Damoklesschwert weiterer Doping-Fälle wird die Tour wohl so schnell nicht los. So soll es laut der französischen Zeitung eine Liste von «fünf Fahrern» geben, deren Hormonspiegel und Blutbilder erhebliche Auffälligkeiten aufwiesen. Die AFLD sprach von «etwa 20 Profis», deren Test-Ergebnisse nahe am Grenzwert gelegen hätten.

Hatten Team-Leiter, Organisatoren und Fahrer den Doping-Fall des 37-jährigen Beltran (Liquigas) noch als Dummheit eines Ewig-Gestrigen der «alten Garde» abgetan, ist dieses Argument beim zehn Jahre jüngeren Duenas nicht mehr stichhaltig. Für Stapleton ist das ohnehin keine Generationsfrage: «Das ist keine Frage des Alters, sondern der Mentalität.»