Profi-Radsport

Tolles Comeback geht weiter

Gerdemann behindert nur der Kopfhörer

30.08.2008 - (sid/dpa/rsn) - Linus Gerdemann hat die "Königsetappe" der Deutschland-Tour gewonnen und seine Ambitionen auf den Gesamtsieg eindrucksvoll unterstrichen. Der 25-Jährige vom US-Team Columbia setzte sich bei der anspruchsvollen Bergankunft im österreichischen Hochfügen (1463 m) mit einem Alleingang auf dem 13km langen Schlussanstieg durch. Dabei wurde er auf den letzten steilen Kilometern von seinem Kopfhörer behindert, der sich in der Schaltung verfangen hatte.

Der gebürtige Münsteraner durfte sich auch das Gelbe Trikot des Spitzenreiters überstreifen und verschaffte sich auf dem ersten Teilstück schon ein kleines Polster für den Kampf um den Gesamtsieg.

"Das war ein Sieg des Willens. Nach meiner langen Verletzung im Frühjahr konnte man nicht damit rechnen", sagte Gerdemann, der bei einem Sturz bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico im März einen doppelten Beinbruch erlitten hatte. Auf den letzten Kilometern ließ sich der letztjährige Tour-Etappensieger auch von dem Kopfhörer-Kabel nicht stoppen, dass die Gänge immer wieder durchrutschen ließ. "In diesem Jahr ist es wie ein Fluch. Wenn ich mich stark fühle, passiert was. Das hat mich sicher 30 Sekunden gekostet. Das ist natürlich ärgerlich, denn es geht im Kampf um den Gesamtsieg um jede Sekunde“, schimpfte der in Kreuzlingen wohnende Wahlschweizer.

Zweiter der 178km langen Etappe von Kitzbühel ins Zillertal wurde Gerdemanns schwedischer Mannschaftskollege Thomas Lövkvist, der die Verfolgergruppe immer wieder aus dem Rhythmus gebracht hatte. Auf den dritten Platz fuhr der starke Slowene Janez Brajkovic (Astana). Dagegen fiel Jens Voigt (CSC-Saxo Bank) bereits zu Beginn des Schlussanstiegs zurück und musste nach seinen Gesamtsiegen in den beiden Vorjahren alle Hoffnungen auf einen "Hattrick" begraben. Der Berliner hatte im Ziel 8:48 Minuten Rückstand. «Dass ich leidend ins Ziel gefahren bin, ist mir lange nicht passiert», meinte Voigt. «Ich hatte eine suboptimale Vorbereitung.» „Jetzt habe ich also das Trikot von Jens übernommen. Ich bin ihm sehr dankbar, denn Voigt hat mir 2005 bei meinem Einstieg als Profi sehr geholfen", lobte Gerdemann den 11 Jahre älteren Voigt.

Einer der Favoriten war bei traumhaftem Sommerwetter zuvor schon frühzeitig ausgestiegen. 60 Kilometer vor dem Ziel beendete der zweifache Vuelta-Sieger Denis Mentschow (Rabobank) das Rennen aufgegeben. Schon am Vortag beim Prolog hatte sich der 30-jährige Russe in schwacher Form präsentiert.

Mit der 2. Etappe am Sonntag erreicht die neuntägige Rundfahrt deutschen Boden. Vom Start im Münchner Olympiapark geht es über 182,6km zur deutlich leichteren Bergankunft auf dem Hesselberg (595m) in Mittelfranken. Der drei Kilometer lange Schlussanstieg hat eine durchschnittliche Steigung von sechs Prozent, wobei der letzte Kilometer sogar zehn Prozent steil ist.