Profi-Radsport

Hitziger TV-Disput mit Sinkewitz

Holczer sieht schwarz für den deutschen Radsport

13.10.2008 - Stuttgart (dpa) - Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer sieht nach den jüngsten Dopingenthüllungen für den deutschen Radsport schwarz. «Der Radsport in Deutschland hat keine Chance», sagte Holczer in der SWR-Fernsehsendung «Sport im Dritten», in der er auf Patrik Sinkewitz traf, der ihn in den letzten Tagen scharf kritisiert und «Betriebsblindheit» geworfen hatte. Er selbst sei mit seiner «offenen Haltung gescheitert, an Stefan Schumacher gescheitert», erklärte Holczer.

Dem zweimaligen Tour-de-France-Etappensieger war nachträglich in zwei A-Proben Doping mit dem EPO-Präparat CERA nachgewiesen worden. Schumacher bestreitet Doping. Holczer betonte zwar, er wolle noch die B-Proben abwarten, meinte aber: «Ich habe die kriminelle Energie unterschätzt.»

Zugleich warf Holczer im Streit mit dem geständigen Dopingsünder Patrik Sinkewitz dem Vater des 27-Jährigen Erpressung und Nötigung vor. In der TV-Sendung zitierte der Gerolsteiner-Teamchef aus einem angeblichen Drohbrief. «Sollte mein Sohn wegen irgendwelcher fadenscheiniger Argumente bis Ende 2008 keinen neuen Vertrag bekommen, werde ich Ihnen Ihren Heiligenschein nehmen», heißt es laut Holczer in dem Schreiben.

Ex-T-Mobile-Fahrer Sinkewitz, der des Testosteron-Dopings überführt wurde und sich den Behörden als Kronzeuge zur Verfügung stellte, blieb mit seiner Suche nach einem neuen Arbeitgeber bislang erfolglos. In der Vergangenheit hatte Sinkewitz bereits mehrfach Holczer attackiert.

In der TV-Sendung wiederholte Sinkewitz den Vorwurf, Holczer sei nicht glaubwürdig. Im Kampf um Erfolge und einen neuen Hauptsponsor nach dem Ausstieg von Gerolsteiner zum Ende dieser Saison habe der Herrenberger Doping seiner Fahrer in Kauf genommen. «Mit sympathischen Hinterherfahrern kriegt man nichts», meinte Sinkewitz.

Der sichtlich verärgerte Holczer hingegen beschuldigte Sinkewitz, «jahrelang beschissen» zu haben. «Einfachheit, Plattheit, Parolen», kritisierte Holczer die Aussagen des Hessen in dem Streitgespräch. Sinkewitz aber meinte: «Ich habe dem Radsport gut getan. Ich habe meine Strafe bekommen, ich habe Aufklärung gemacht.» Holczers Vorwürfe konterte Sinkewitz mit den Worten: «Sie haben versucht, mich zu denunzieren, aber das ist Ihnen nicht gelungen.»