Profi-Radsport

Scharfe Kritik an Struktur und Funktionären

Politiker haben vom BDR "die Schnauze voll"

16.10.2008 - Berlin (dpa) - Nach den angedrohten Konsequenzen durch den Sportausschuss des Bundestages hat der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) Kooperationsbereitschaft signalisiert. BDR-Generalsekretär Martin Wolf sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: «Der BDR wird selbstverständlich jede Frage beantworten und nutzt gerne die Gelegenheit, um mit sachdienlichen Informationen zu dienen.» Wegen der Dopingskandale der letzten Zeit hatten Politiker gefordert, dem Verband die Mittel für 2009 zu sperren oder gar zu streichen.

«Die Politik ist nicht mehr bereit, das länger zu tolerieren», betonte der Vorsitzende der Sportausschusses, Peter Danckert. «Nicht in Ordnung sind die Gesamteinstellung des Verbandes, das Verhalten der handelnden Funktionäre und überhaupt die gesamte Struktur.» Danckerts Stellvertreter Peter Rauen unterstrich: «Jetzt muss ein Stopp-Signal kommen. Irgendwann müssen wir Politiker die Schnauze voll haben.» Grünen-Sportpolitiker Winfried Hermann, der bereits einen Antrag auf komplette Streichung der Fördermittel 2009 eingebracht hatte, sagte: «Jetzt ist endgültig Zeit zu handeln.»

Von voreiligen Aktionen absehen will hingegen Eberhard Gienger, stellvertretender sportpolitischer Sprecher der CDU und gleichzeitig Vizepräsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): «Bevor wir Politiker zum schärfsten Schwert greifen, müssen wir dem BDR Gelegenheit zur Stellungnahme geben.»

BDR-Präsident Rudolf Scharping soll am 12. November vor dem Sportausschuss erscheinen und zur Anti-Doping-Politik seines Verbandes Stellung nehmen. Allerdings liegt nach Wolf dem BDR «weder eine Einladung vor, noch ist während meiner kompletten Amtszeit der Vorsitzende des Sportausschusses mit konkreten Fragen an mich herangetreten».

Linus Gerdemann hat unterdessen vor den Folgen einer Mittelkürzung oder-streichung gewarnt: «Man sollte überlegen, dass die Mittelstreichung auch dem Nachwuchs auf die Füße fallen würde», sagte der Deutschland Tour-Gewinner. «Das wäre alles andere als sinnvoll.» Auch Wolf kritisierte, eine komplette Sperrung der Mittel würde vor allem dem Breitensport schaden, sei doch nur «knapp ein Prozent der Gesamtförderung durch den Bund, in diesem Jahr rund 24 000 Euro, für die Profis auf der Straße aufgebracht worden». Außerdem würden die Mittel im Anti-Doping-Kampf fehlen.

Nach den offensichtlichen Versäumnissen des BDR bei den deutschen Marathon-Meisterschaften der Mountainbiker in Singen hat sich derweil auch die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA eingeschaltet. Wie bei der Sitzung des Sportausschusses bekannt wurde, hat auch die NADA eine Stellungnahme vom Radsport-Verband gefordert. Bei dem Rennen Ende September waren keine Doping-Tests durchgeführt worden, da der BDR offenbar die für die Dopingkontrollen gedachten Gelder zu dem Zeitpunkt im Jahr bereits aufgebraucht hatte.

Neben der Sperrung oder Streichung von Bundesmitteln 2009 droht dem Verband zudem auch eine Rückzahlung eines Teils der erhaltenen Gelder in diesem Jahr. Wegen des Vorfalls in Singen prüfen das Bundesinnenministerium sowie das Bundesverwaltungsamt, ob die für diese Veranstaltung bereitgestellten Mittel zurückverlangt werden.