Profi-Radsport

Pevenage will mit Team zu europäischen Rennen

Kein Ullrich-Comeback bei Rock Racing

21.11.2008 - Hamburg (dpa/rsn) - Jan Ullrich wird seinem langjährigen Mentor Rudy Pevenage nicht zum US-Team Rock Racing folgen. Das erklärte Rennstallbesitzer Michael Ball, nachdem er den 34-jährigen Deutschen in Los Angeles getroffen hatte. “Ullrich wird nicht für das Team fahren oder ins Management involviert sein“, sagte der Multimillionär dem Internetportal „cyclingnews“. Auf die Idee, mit dem Toursieger von 1997 über ein Comeback zu reden, sei er nach Lance Armstrongs angekündigter Rückkehr gekommen.

Pevenage nahm Balls Angebot, künftig als Sportdirektor für den mit Continental-Lizenz ausgestatteten Rennestall tätig zu sein, hingegen dankbar an. Er sei seit zweieinhalb Jahren arbeitslos gewesen, Anwälte und Probleme hätten ihn viel Geld gekostet, sagte der Belgier: „Ich denke, ich habe für die Anrufe bei Fuentes genug gezahlt. Die waren der Grund, weshalb mich Telekom entlassen hat.“ Pevenage, sein damaliger T-Mobile-Kapitän Ullrich und der Spanier Oscar Sevilla – der mittlerweile bei Rock Racing unter Vertrag steht - waren einen Tag vor der Tour de France 2006 wegen Dopingverdacht suspendiert und kurz darauf entlassen worden. Ullrich und Pevenage konnten Verbindungen zum Madrider Dopingarzt Eufemiano Fuentes nachgewiesen werden. Pevenage hat nach Angaben der Bonner Staatsanwaltschaft mittlerweile zugegeben, gemeinsam mit Ullrich in Madrid bei Fuentes gewesen zu sein.

Da Armstrong, Ivan Basso und andere Fahrer derzeit ihr Comeback vorbereiten, hätte er es nicht verstehen können, wenn er nicht hätte ebenfalls zurückkehren können, sagte Pevenage: „Ich habe niemanden getötet.“ Der 54-Jährige, von Ball als "wahrscheinlich großartigster Sportdirektor der letzten 20 Jahre" gepriesen, wird Rock Racing erstmals im Januar 2009 bei der Tour of San Luis in Argentinien betreuen. Anschließend steht im Februar die Kalifornien-Rundfahrt auf dem Programm.

Mit Hilfe von Pevenage hofft Ball offenbar auch, künftig mit seinem umstrittenen Team, das mit Sevilla, dessen Landsleuten Francisco Mancebo und José Enrique Gutierrez sowie dem US-Amerikaner Tyler Hamilton gleich vier „Fuentes-Fahrer“ beschäftigt, zu europäischen Rennen eingeladen zu werden. Pevenage bestätigte, dass er in den letzten Tagen bereits verschiedene Veranstalter in Spanien, Belgien und Deutschland kontaktiert habe: „Jetzt warte ich auf Antworten. Ich bin mir sicher, dass das Team zu einigen Rennen eingeladen wird. Es gibt genügend Rennen, bei denen wir beweisen können, dass wir okay sind.“

Gegen Pevenage ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn noch immer wegen des Verdachts eines Betrugs zu Lasten seines früheren Sponsors Telekom. Denkbar ist, dass wie bei Ullrich das Verfahren gegen Zahlung eines Geldbetrags eingestellt wird. „Er war ein Teil der Situation in der Vergangenheit und ist dabei, in den Sport zurückzukommen, um das zu korrigieren“, sagte Ball über seinen neuen Sportdirektor.

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