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24.11.2008 - Wien (dpa) - Mit der Höchststrafe und einer persönlichen Enttäuschung endete für Bernhard Kohl die Verhandlung vor der Rechtskommission der österreichischen Anti-Doping-Agentur in Wien. Der geständige Kohl wurde für zwei Jahre gesperrt.
Der ehemalige Gerolsteiner-Profi war bei einer nachträglichen Untersuchung zur Tour de France des Dopings mit dem EPO-Präparat CERA überführt worden. Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Teamkollegen Stefan Schumacher, ebenfalls positiv in der A-Probe, war Kohl nach Bekanntgabe des Ergebnisses durch die zuständige Französische Anti-Doping-Agentur AFLD geständig. "Ich finde es schade, dass ich die gleiche Strafe bekomme wie jemand, der alles leugnet", sagte Kohl nach der Anhörung. Ob er Einspruch gegen das Urteil einlegt, ließ der 26-Jährige in einer ersten Reaktion noch offen. Der tief gefallene Kletterspezialist hatte gehofft, durch Kooperation mit der Kommission die drohende Zwei-Jahres-Sperre reduzieren zu können.
Über zweieinhalb Stunden stand Kohl den fünf Kommissionsmitgliedern Rede und Antwort. „Ich habe meine Aussage getätigt und bin ehrlich gewesen. Wenn es gewürdigt wird, ist es ein gutes Zeichen für den Sport, für die Sportler. Wenn nicht, werden wir in das leidige Thema des Schweigens zurückkommen“, sagte er danach. Doch das Gremium zeigte sich von Kohls Aussagen wenig beeindruckt und entschied gegen die Kronzeugenregelung, die eine Reduzierung der Sperre für Doping-Erstvergehen bei Nennung von Hintermännern vorsieht.
Nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA zeigte sich Kohl nach der Entscheidung enttäuscht. Er wolle sich erst nach der schriftlichen Zustellung des Urteils entscheiden, ob er gegen die zweijährige Sperre Einspruch erheben will oder nicht. Kohl kann bei der Unabhängigen Schiedskommission in Österreich und vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne seinen Fall neu verhandeln lassen.
Mitte Oktober hatte der gelernte Schornsteinfeger aus Wolkersdorf unter Tränen in Wien öffentlich Doping zugegeben. Dabei hatte er seinen früheren Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer ausdrücklich entlastet („Er wusste von nichts“) und angekündigt, zu gegebener Zeit „die Hintermänner“ zu nennen. Am Vortag der NADA-Verhandlung hatte sein Manager Stefan Matschinger angekündigt, Kohl werde umfänglich aussagen und berichten, wie er an die Dopingmittel herangekommen sei, und wie er sie sich verabreicht habe.
Eine offizielle Stellungnahme Kohls gab es zunächst nicht. Auf seiner Webseite wandte er sich aber mit einer Entschuldigung an seine Fans: „Auf dem Weg zu meinen sportlichen Zielen habe ich mir schließlich selbst ein Bein gestellt und mich um die Früchte meiner jahrelangen schweren Arbeit gebracht. Ich habe Euch alle schwer enttäuscht, und bitte Euch, mir meinen Fehler irgendwann zu verzeihen“, schrieb er dort.
Er werde jetzt nicht alles hinschmeißen, sondern dies als neue Herausforderung betrachten. „Es gab oft schwierige Situationen in meinem Leben", so Kohl, der als Dritter und Bergkönig der Tour de France 2008 seine bemerkenswertesten Erfolge feierte. Kurz vor Bekanntwerden des positiven Befundes hatte der Österreicher einen Vertrag beim belgischen Team Silence-Lotto bis 2011 unterzeichnet.
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