Profi-Radsport

Rückkehr nach zweieinhalb Jahren

Jaksche: "Ein bisschen schlauer fahren"

21.12.2008 - Berlin (dpa) - Jörg Jaksche ist doch noch "rückfällig" geworden. Der 32-jährige Ansbacher, der im April nach langer erfolgloser Jobsuche sein Rad in die Ecke gestellt hatte, ist fündig geworden und wird in der kommenden Saison wieder als Radprofi tätig sein.

Jaksche ist damit nach Patrik Sinkewitz der zweite Doping-Kronzeuge, der wieder Beschäftigung im alten Metier findet. Der ehemalige Telekom- und CSC-Profi unterschrieb beim italienischen Drittdivisonär Cinelli OPD einen Einjahresvertrag. "So etwas wie ein Studentenjob mit der Möglichkeit, auch wieder auszusteigen, wenn es für mich keinen Sinn mehr macht", sagte Jaksche zu den Konditionen seines Kontraktes, bei dem finanzielle Verlockungen keine Rolle spielten. Er fährt für das symbolische Gehalt von einem Euro

"Ich bin froh, dass es doch noch geklappt hat. Mal sehen, wie es wird. Ich gehe vorsichtig und mit wenig Illusionen an die Sache. Mein erstes Rennen werde ich am 13. Februar dort fahren, wo ich 2004 meinen ersten großen Erfolg bei den Profis feierte: Bei der Mittelmeer-Rundfahrt", sagte der in Kitzbühel lebende Arztsohn, dessen Dopingbeichte im "Spiegel" 2007 für eine Welle von Geständnissen anderer Profis gesorgt hatte. Er hatte zugegeben, Kunde des berüchtigten spanischen Dopingarztes Eufemiano Fuentes gewesen zu sein.

Jaksche, dessen Dopingsperre im Juli 2008 auslief, studiert seit Oktober Wirtschaftsrecht an der Fern-Uni Hagen. Er will auch als Radprofi sein Studium fortsetzen. Bei Cinelli OP fährt er nach zweieinhalbjähriger Zwangspause - nur unterbrochen von einem kurzen Gastspiel beim russischen Tinkoff-Team - zusammen mit dem Belgier Frank Vandenbroucke (34), der selbst auf eine äußerst bewegte Dopingvvergangenheit zurückblickt. Probleme mit seinem neuen Teamkollegen hat Jaksche nicht.

"Vandenbroucke ist mit seiner Geschichte so etwas wie das Spiegelbild des Radsports. Ich finde gut, dass er bei Cinelli wieder ein soziales Umfeld findet. Schließlich hat er einen Selbstmordversuch hinter sich", sagte Jaksche, der während seiner zunächst erfolglosen Arbeitsplatzsuche einem TV-Angebot ("Dschungel-Camp") widerstand. Um gegen Konkurrenten zu bestehen, die womöglich nicht dem Doping abschwören, hat der wortgewandte Franke auch ein Rezept: "Pur musst du eben ein bisschen schlauer fahren."

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