Interview mit Thomas Frei

„Ich kann mehr sein als ein guter Helfer“


Thomas Frei (BMC Racing)

Foto: www.luechinger.li

29.01.2009  |  (rsn) – Nach zwei Jahren bei Astana fährt Thomas Frei in der neuen Saison für das US-amerikanisch-schweizerische BMC Racing-Team. Im Interview mit Radsport News spricht der 24-jährige Schweizer, 2002 Juniorenmeister seines Landes auf der Straße, über seine Zeit bei Astana, die Gründe für seinen Wechsel und über seine Rolle im Team.

Wie kam der Wechsel zu BMC zustande?

Frei: Mein Manager Tony Rominger hat sich schon im Juni nach eventuellen Alternativen zu Astana umgeschaut. Astana konnte mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, ob ich bleiben kann oder nicht, da sie einige neue junge Kasachen nehmen mussten. So kam Tony Rominger dann ins Gespräch mit BMC. Ich war von diesem Projekt sehr schnell begeistert und denke, dass ich mich dort persönlich am Besten weiter entwickeln kann. Dazu kam, dass mir BMC einen tollen Vertrag anbot und das Team längerfristig plant und stetig wachsen will. In der heutigen schwierigen Zeit muss man auch etwas an die Zukunft denken.

Wären Sie gerne bei Astana geblieben?

Frei: Ich hatte eine gute Zeit bei Astana. In den zwei Jahren habe ich von großen Fahrern viel lernen können, das werde ich mitnehmen. Aber nun mal ehrlich - für mich als junger Fahrer, der seine Stärken eher in Rundfahrten sieht, für den ist es verdammt schwer, in einem solchen Team seine eigenen Chancen wahrzunehmen. Selbst als ich gut drauf war, wie letztes Jahr bei der Österreich-Rundfahrt, als ich im Schlussklassement Zehnter wurde, musste ich jeden Tag für Vladimir Gusev fahren. Für mich nimmt dadurch dieser 10. Platz aber einen umso größeren Stellenwert ein.

Wie fällt Ihre Bilanz bei Astana aus?

Frei: Ich glaube, ich hatte einen guten Start mit dem Team, die ganze Tourgeschichte 2007 (Dopingfall Winokurow, Tourausschluss des Teams, d. Red.) hatte dann alles etwas gebremst. Aber ich konnte schöne Rennen fahren in diesen beiden Jahren, habe einen guten Job gemacht und konnte einige schöne mit dem Team Erfolge feiern.

Astana hatte u.a. durch die Dopingfälle Winokurow und Kashechkin keinen guten Ruf, war dieses Jahr nicht bei der Tour dabei. Wie haben Sie die Tour 2008 erlebt?

Frei: Es war nicht speziell. Ich habe sie verfolgt wie jedes Jahr, vielleicht etwas weniger und auch mit weniger Emotionen, als wenn meine Teamkollegen mitgefahren wären.

Welche Rolle werden Sie bei BMC haben?

Frei: Bei einer Pressekonferenz hat der Manager Gavin Cillcot mich so vorgestellt, dass ich in absehbarer Zeit der Mann für die Rundfahrten werden sollte. Ich werde ihm nicht widersprechen, denn das ist auch mein Ziel. Vor allem habe ich diesen Schritt zu BMC wirklich auch deswegen gemacht, weil ich mich persönlich weiterentwickeln will. Ich will zeigen, dass ich mehr als ein guter Helfer sein kann, ich möchte es zumindest versuchen und sehen, für was es reicht.

Welche Rennen werden Sie fahren?

Frei: Ich beginne mit der Kalifornien-Rundfahrt, fahre dann ein paar Rennen in der Schweiz und Belgien. Dann kommen das Criterium International, die Sarthe-Rundfahrt und hoffentlich die Tour de Romandie. Mein Highlight soll dann die Tour de Suisse werden, dort möchte ich einige überraschen.

BMC will 2011 zur Tour de France. Ist das auch für Sie zum jetzigen Zeitpunkt schon ein Ziel?

Frei: Selbstverständlich. Ich träume von der Tour, seit ich Radfahrer bin, habe sogar wegen ihr mit dem Radsport begonnen. Ich glaube, dass genau die Planung mit 2011 in meinen Fahrplan passen könnte. Ich werde jedenfalls dafür arbeiten. Ich glaube, dieses Team wächst von Jahr zu Jahr. Andy Rihs (BMC-Teameigner, d. Red.) liebt den Radsport, er will auch zurück zur Tour, hat nun aber einen etwas anderen Weg gewählt. Anstatt große Stars einzukaufen, will er junge Fahrer aufbauen, ihnen Zeit geben und mit Ihnen nach oben kommen.

Das Team hat eine US-Lizenz. Müssen Sie oft in die USA fliegen?

Frei: Ich bin für das Trainingslager das erste Mal nach Kalifornien geflogen, dann muss ich wieder zurück zur Kalifornien-Rundfahrt. Ich denke, im ganzen Jahr werden es so drei- bis viermal sein. Die meisten Rennen fahre ich aber in Europa.

Ihr Team startet bei der Katar-Rundfahrt in die neue Saison. Mit welchen Zielen?

Frei: Ich fahre nicht Katar, beginne eben mit der Kalifornien-Rundfahrt. Ich glaube, wir haben sehr gut und konzentriert trainiert. Alle sind super motiviert, ich rechne damit, dass unser Team eine gute Leistung abliefern wird in Katar. Mein Geheimtipp ist Markus Zberg. Ich bin wirklich sehr überrascht von ihm, wie er sich mit seinen 34 Jahren noch richtig reinhängt. Er strahlt in den Augen und ist super motiviert. Er selbst sagt, selten in seiner Karriere soviel an sich gearbeitet zu haben wie in diesem Winter.

Wie klappt das Zusammenspiel zwischen den US- und den Schweizer Fahrern?

Frei: Alles bestens. Ich muss ehrlich sagen, die Amis sind so offene Leute, das ist gar kein Problem. Vor allem passt das irgendwie mit den zwei Mentalitäten. Ich bin selbst überrascht, es gibt keinerlei Gruppenbildungen im Team. Es ist wie in einer großen Familie, jeder hilft dem anderen.

Ist BMC Racing für Sie eine Zwischenstation auf dem Weg zurück zu einem Spitzenteam?

Frei: Okay, BMC ist dieses Jahr noch nicht bei einer großen Landesrundfahrt dabei. Aber was ich bis jetzt und speziell im Trainingslager gesehen habe, das unterscheidet sich gar nicht von einem Spitzenteam. Im Gegenteil, es ist alles perfekt organisiert, super Leute arbeiten da mit und geben alles. Und wie gesagt, wir werden jährlich wachsen und dann hoffentlich bald auch von den Resultaten her ein Spitzenteam sein....

Die Fragen an Thomas Frei stellte Matthias Seng.

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