Profi-Radsport

Auftritt im "Aktuellen Sportstudio"

Schumacher sieht sich als Opfer

01.03.2009 - Berlin (dpa/rsn) - Stefan Schumacher bleibt dabei: "Ich habe noch nie in meinem Leben gedopt", sagte der 27-jährige Schwabe am Samstag im "Aktuellen Sportstudio", wo er zur zweijährigen Sperre durch die Französische Anti-Dopingagentur AFLD Stellung nahm.

Die AFLD, von den Organisatoren der Tour de France im vergangenen Juli erstmals mit den Dopingkontrollen beauftragt, hätte laut Schumacher bei der Ermittlung gegen ihn "alle Beweise und Fakten ignoriert". Experte Wilhelm Schänzer vom Anti- Dopinglabor in Köln stellte sich vor die Kollegen des renommierten Labors Chatenay-Malabry: "Der Test ist valide".

Daran hat Schumacher erhebliche Zweifel. Der ehemalige Gerolsteiner-Kapitän bezeichnete die nachträgliche Analyse der A-Probe durch die AFLD, die ihm die Einnahme des Blut-Dopingmittels CERA nachgewiesen hatte, als eine Art Zweitverwertung. Bei der Tour hätte Schumacher nach eigener Aussage als einer der am häufigsten getesteten Fahrer 12 Urin- und fünf Blutkontrollen über sich ergehen lassen. Die während der Tour nicht beanstandeten Blutproben hätten der Erstellung der Blutparameter für den Biologischen Pass des Weltverbandes UCI gedient. Trotz des gebrochenen Siegels seien die Röhrchen mit seinem Blut auf AFLD-Geheiß nach der Tour noch einmal untersucht worden. Außerdem seien die entsiegelten zwischen Paris und Lausanne hin- und hertransportiert worden. Auch die Anonymität sei nicht gewahrt worden. "Bis zum heutigen Tag sind mir Unterlagen vorenthalten worden. Das hat auch seine Gründe", lautete Schumachers Vorwurf an die AFLD.

Die hatte am 6. Oktober das Ergebnis zweier positiver Analysen bekanntgegeben. Schumacher: "Es gab gar keine A-Probe, deshalb habe ich damals innerhalb der Frist von fünf Tagen auch keine B-Probe verlangt." Eine Öffnung der B-Probe könnte Zweifel am Ergebnis der positiven A-Proben beseitigen. Darauf wollte sich Schumacher, der bei der Frankreich-Rundfahrt zwei Tage das Gelbe Trikot trug, nicht einlassen.

Trotz Schumachers Bedenken dürfte alles andere als eine Anerkennung der Sperre durch die UCI in der nächsten Woche einer großen Überraschung gleichkommen. Verbandschef Pat McQuaid hatte schon bei einem Besuch des Berliner Sechstagerennens im Januar kein Zweifel an übergreifenden Sanktionen gelassen. "Am Donnerstag oder Freitag werden wir die Entscheidung bekanntgeben", sagte am Sonntag UCI-Sprecher Enrico Carpani auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa. Schumacher bliebe dann noch der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS.

Schumacher muss jetzt finanziell vermutlich kürzer treten. Nach seiner Klage gegen die fristlose Kündigung durch seinen Rennstall nach Bekanntwerden des Dopingvorwurfs konterte sein ehemaliger Arbeitgeber Hans-Michael Holczer mit einer Gegenklage auf Rückzahlung von Gehältern für drei Monate "in sechsstelliger Höhe", wie Holczer- Anwalt Jürgen Schmitt die Summe bezifferte. Der Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht könnte im April beginnen.

Holczer versteht indes nicht, warum Schumacher anhand der drückenden Indizien nicht längst ein Geständnis ablegte wie sein einstiger Teamkollege und Zimmernachbar in Frankreich, Bernhard Kohl. Der Österreicher war ebenfalls von der AFLD in einem nachträglichen Test der CERA-Einnahme überführt worden. "Wenn jemand gedopt hat und das gesteht, finde ich das gut. Aber ich habe nichts zu gestehen", erklärte Schumacher unbeirrt.