Profi-Radsport

Österreicher belastet seinen Ex-Manager

Kohl gibt Doping seit 2005 zu

01.04.2009 - (rsn/dpa) - Bernhard Kohl hat seinen ehemaligen Manager Stefan Matschiner schwer belastet und Doping über einen viel längeren als den von ihm bisher angegebenen Zeitraum gestanden. Wie die österreichische Nachrichtenagentur APA berichtete, sagte der 27-Jährige in einer Pressekonferenz in Wien am Dienstagabend, er habe bereits seit 2005 von Matschiner EPO, Wachstumshormone, Insulin und Testosteron bezogen und dafür 50.000 Euro gezahlt.

Außerdem gab Kohl zu, Kunde der Wiener Blutbank Humanplasma gewesen zu sein. Er habe in Begleitung von Matschiner in der Plasmapherese-Station dreimal Blutdoping betrieben, zuletzt im September 2008. Damit fallen die Vorwürfe gegen Matschiner, der in der Nacht zum Dienstag von einer Polizei-Sonderkommission wegen Verdachts auf Handel mit Dopingsubstanzen festgenommen worden war, in die Zeit, für die das im vergangenen Jahr in Kraft getretene österreichische Anti-Dopinggesetz gilt. Danach kann Handel und der Besitz von verbotenen Substanzen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden.

Kohl wiederholte aber, das EPO-Präparat CERA, dessen Einnahme ihm bei Nachkontrollen zur Tour 2008 nachgewiesen werden konnte, nicht von Matschiner bezogen zu haben. "Ich habe alles gesagt, was ich zu Matschiner und meinem CERA-Lieferanten sagen kann", erklärte der ursprünglich Dritte der letztjährigen Tour de France. "Mein CERA-Lieferant war nicht Matschiner. Ich habe alle Namen, alle mir bekannten Hintermänner genannt, will diese aber aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht öffentlich machen."

Noch vor Kohls Pressekonferenz hatte Matschiner nach Angaben seines Anwaltes Franz Essl die Beteiligung an Bluttransfers für Kohl eingeräumt. Er habe aber zugleich bestritten, Dopingpräparate wie EPO an die Triathletin Lisa Hütthaler und Kohl weitergegeben zu haben, so Essl gegenüber der APA. Matschiner sei mehrere Stunden von Beamten der "Sonderkommission Doping" des Bundeskriminalamtes Wien vernommen worden, erklärte der Salzburger Anwalt.

"Bei der umfassenden Hausdurchsuchung im Wohnhaus von Matschiner in Laakirchen wurden nach Angaben der Ermittler aber keine Dopingmittel oder Ähnliches vorgefunden", sagte Essl. Das Landesgericht für Strafsachen in Wien werde vermutlich am 1. April über die Verhängung der U-Haft über Matschiner entscheiden.

Wie Michaela Schell, Sprecherin der Wiener Staatsanwaltschaft mitteilte, wird gegen rund zwei Dutzend Verdächtige ermittelt.  "Es ist augenscheinlich, dass es ein Netzwerk gegeben hat", sagte sie.