Aldag sieht Parallelen zum Toursieger von 1997

Ullrich: Man sollte Martin nicht hochjubeln

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Tony Martin (Columbia-Highroad) im Zeitfahren auf der 9. Etappe der Tour de Suisse

Foto: ROTH

21.06.2009  |  (rsn/dpa/sid) Dass Fabian Cancellara die Tour de Suisse gewinnen wird, hatten sich wohl nur eingefleischte Fans und Eidgenossen vorstellen können. Dass im Kampf um den Gesamtsieg jedoch Tony Martin sein schärfster Widersacher sein sollte, das hätte wohl niemand zu vermuten gewagt. Der 23-jährige Columbia-Profi mauserte sich auf den neun Etappen zum Favoritenschreck - nicht nur im Kampf gegen die Uhr.

Der Thüringer, der weiter an Körpergewicht eingebüßt hat, gewann die schwerste Etappe nach Crans Montana vor dem Italiener Damiano Cunego (Lampre) und holte das Berg-Trikot. Den beiden etablierten deutschen Rundfahrern Andreas Klöden (Astana) und Linus Gerdemann (Milram), denen man zu Beginn den Rundfahrtsieg zugetraut hatte, stiehl Martin, der die Rundfahrt 2:02 Minuten hinter Cancellara abschloss die Schau.

„Das ist einer meiner größten Erfolge. Ich habe hier meine Bergqualitäten entdeckt, vielleicht kann ich das in der Zukunft so beibehalten", sagte der eigentlich als Zeitfahrspezialist geltende Martin. Seiner Tour-Premiere steht nichts mehr im Wege. Man darf gespannt sein, wen er in Frankreich in den Schatten stellen wird.

Für seinen Sportchef Rolf Aldag ist der Höhenflug von Tony Martin das Ergebnis einer gezielten Vorbereitung. "Wir haben im Vorfeld bewusst wenig Höhepunkte gesetzt, sein Blick sollte auf die Tour de France gehen. Das scheint bisher zu funktionieren", sagte Aldag dem SID. Bei der Tour solle Martin in der ersten Hälfte versuchen, das Weiße Trikot des besten Nachwuchsfahrers zu erobern.

Aldag scheut bei Martin sogar den Vergleich zu Jan Ullrich nicht, wenn es um die körperlichen Anlagen und das Potenzial geht. "Sie haben beide die gleichen Radsport-Schulen durchlaufen, fahren beide mit viel Kraft. Die Parallelen sind offensichtlich", sagte Aldag.

Von einem Tour-Sieg in den nächsten Jahren will Aldag dennoch nichts wissen: "An solchen Forderungen sind schon viele junge Talente kaputtgegangen. Wir gehen Schritt für Schritt. Tony gibt die Richtung vor, und wir unterstützen ihn dabei." Auch Ullrich warnte vor verfrühten Lobeshymnen. "Der Gewinn des Bergtrikots ist natürlich gigantisch. Aber man sollte ihn jetzt nicht hochjubeln", sagte der Tour-Sieger von 1997 im DSF.

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