Nach Enttäuschung von Cottbus

Milram mit gemischten Gefühlen zur Tour


Gerdemann (l) und Wegmann gehören zu den Aushängeschildern des Milram-Teams.

29.06.2009  |  Berlin (dpa/rsn) - Der letzte Härtetest in Cottbus vor der am 4. Juli in Monte Carlo beginnenden Tour de France ging in die Hose. Dazu sind die Prognosen für Kapitän Linus Gerdemann nicht die besten: Das einzig noch verbliebene deutsche Milram-Team reist mit gemischten Gefühlen zum Tour-Start.

"Wir wollen offensiv und aggressiv auftreten, in Fluchtgruppen dabei sein und haben mit Gerald Ciolek bei schweren Flachetappen auch eine Chance im Sprint", umschrieb Sportdirektor Christian Henn einen Tag nach den enttäuschend verlaufenen deutschen Straßenmeisterschaften die Möglichkeiten für Frankreich.

Cottbus war für Milram eine Ernüchterung. In der 20-köpfigen Spitzengruppe waren fünf Milram-Fahrer einschließlich des Titelverteidigers Fabian Wegmann und Christian Knees vertreten. Trotzdem konnten die Hellblauen den Außenseiter-Coup des neuen Titelträgers Martin Reimer (Cottbus), von Dominic Klemme (Bielefeld) und Roger Kluge (Cottbus) nicht verhindern. "Columbia-Highroad hat alles blockiert", schimpfte Wegmann, der mit seinem dritten Titelgewinn den Rekord des Nürnbergers Fritz Scheller von 1937 hätte einstellen können, nach dem Rennen. Stattdessen blieb ihm nur Rang fünf.

"Wir waren mit 16 Mann am Start und deshalb schaute alles auf uns. Unser erster Plan gelang - wir haben eine Ausreißergruppe zusammenbekommen ohne den stärksten Sprinter im Feld, André Greipel von Highroad. Wir haben sehr viel investiert, damit die Gruppe geht. Eigentlich haben nur wir gearbeitet, so dass am Schluss drei Mann von uns kaputt waren. Der Angriff von Knees auf die drei Führenden kam zu spät", schilderte Henn den Hergang des Titelrennens über 239,5 Kilometer. Unter dem Strich blieb für Henn nur: "Wenigstens noch einmal eine schöne Belastung vor der Tour".

Die Form von Gerdemann gibt Rätsel auf. Mit seinem Sieg bei der Bayern-Rundfahrt schien er in Richtung Tour auf dem richtigen Weg. In der Tour de Suisse lief gar nichts. Statt nach Cottbus zu fahren, regeneriert der 26-Jährige auf Mallorca, weil er sich übertrainiert fühlte. Gerdemann, der 2007 bei seinem ersten Tour-Auftritt mit einem Etappensieg und einem Tag in Gelb für Furore sorgte und Ansprüche weckte, vertraut auf seine Klasse und hofft auf das gute Omen: "2007 war ich bei der Tour de Suisse noch schlechter." Henns Kommentar zu den Gerdemann-Chancen in Frankreich: "Abwarten".

Milrams Trainingskoordinator Jochen Hahn, der sich derzeit mit Gerdemann auf Mallorca aufhält, ist dagegen optimistisch: "Von der Leistungsfähigkeit her, ist er so gut wie nie. Nun muss man sehen, wie er das abrufen kann, und wie stark die anderen sind." Gerdemann, der zuletzt hohe Frequenzen hinter dem Motorrad trainierte und von Palma de Mallorca direkt nach Monte Carlo anreist, soll das Gesamtklassement im Blick haben. Henn: "Top Ten wäre ein Traum". Die Deutschen sind im Radsport zur Bescheidenheit zurückgekehrt.

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