Columbia-Profi weist Milram-Kritik zurück

Sieberg: "Wir wollten das Meistertrikot"

Von Christoph Adamietz


Marcel Sieberg (Columbia-Highroad)

Foto: ROTH

29.06.2009  |  (rsn) – Im bisherigen Saisonverlauf war Marcel Sieberg (Columbia-Highroad) zumeist als Helfer unterwegs. Am Sonntag hätte bei der Straßen-DM in Cottbus jedoch beinahe seine große Stunde geschlagen. Nach 240 Kilometern musste sich der Klassikerspezialist allerdings mit dem vierten Platz zufrieden geben. „600 Meter vor dem Ziel war ich fast an den drei Spitzenreitern dran, dann eröffnete Kluge schon früh den Sprint für Reimer“, erklärte Sieberg im Gespräch mit Radsport News. „Das Rennen hätte einfach einen Kilometer länger sein müssen. Das wär`s gewesen.“ Dementsprechend überwog beim 27-Jährigen auch die Enttäuschung, „da einfach nicht viel nach ganz vorne gefehlt hat.“

Den späteren Sieger Martin Reimer sowie dessen Begleiter Dominik Klemme (Saxo Bank) und Roger Kluge (LKT Brandenburg) habe man nicht unterschätzt. „Aber alle haben auf uns (Columbia, d. Red.) geguckt und wir natürlich auf Milram. Und da Milram uns die letzten 100km nur noch abwechselnd attackiert hat, war klar, dass wir nicht auch noch die Attacken von den anderen aus der Gruppe mitgehen konnten. Das haben die Drei clever ausgenutzt. So ist es halt im Sport“, zollte Sieberg dem Spitzentrio seinen Respekt.

Letztlich waren Reimer &. Co beim Duell Milram gegen Columbia die lachenden Dritten. Für die von Milram-Seite geäußerte Kritik hatte Sieberg, früher selbst im Milram-Dress unterwegs, kein Verständnis. Dass man selbst nicht auf Sieg gefahren sei und nur den Milram-Erfolg verhindern wollte sei „absoluter Blödsinn“, so Sieberg. “Bei einer deutschen Meisterschaft will doch wohl jeder das Trikot in sein Team holen. Aber es ist ja wohl klar, wenn eine deutsche ProTour Mannschaft am Start steht, und das mit 16 Fahrern, dazu noch die Nachwuchsfahrer vom Milram Continental-Team, und Columbia als US Team fünf Fahrer stellt, dass man ein Auge auf Milram werfen muss.“

Milram wollte laut Sieberg in den Gruppen immer in Überzahl sein und „ist sich sogar teilweise selbst hinterhergefahren, um am Ende dann zu sagen, dass wir nur nicht wollten, dass einer von Milram gewinnt! Das ist ja wohl lächerlich“, sagte der Columbia-Profi und legte nach. „Wenn Milram mit mehr als 16 Startern und als Favorit nicht in der Lage ist, das Rennen zu gewinnen, dann sollten sie sich lieber die Frage stellen, wieso sie das nicht mit ihrer Dominanz hingekriegt haben, statt bei uns den Fehler zu suchen. Ich finde es eine schwache Ausrede, uns den schwarzen Peter zuzuschieben. Wir waren da, um das Rennen zu gewinnen und dafür haben wir alles getan.“

Trotz des flachen Parcours hatte es das Rennen nach Siebergs Worten mächtig in sich, vor allem die letzten 100 Kilometer seien extrem gewesen. „Die fünf Milram-Fahrer wollten uns drei Columbia-Profis in der Spitzengruppe kaputt fahren. Letztendlich haben davon aber andere Fahrer profitiert“, so Sieberg, der ergänzte: „Als wir auf die Finalrunde kamen, waren fast alle schon mausegrau.“

Nachdem sich Reimer, Klemme und Kluge aus der Spitzengruppe gelöst hatten, setzte Sieberg vor dem Ziel gemeinsam mit Titelverteidiger Fabian Wegmann (Milram) und Michael Schweizer (SC Wiedenbrück) hinterher. „Nach fast 240 Kilometern und gefühlten 1000 Attacken war mein Akku aber auch fast leer.“ Dennoch mobilisierte Sieberg zwei Kilometer vor dem Ziel seine allerletzten Kraftreserven, löste sich von seinen beiden Begleitern und wäre beinahe noch an die Spitze herangekommen - es fehlten nicht mehr als 50 Meter.

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