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30.06.2009 - Berlin (dpa/rsn) - Der Weltverband UCI und die französische Anti-Doping-Agentur AFLD versprechen einen kompromisslosen Anti-Dopingkampf bei der am 4. Juli beginnenden Tour de France.
Einige der 180 Starter werden besonders ins Visier der Dopingfahnder genommen werden, und anders als sonst soll eher die Qualität als die Quantität der Kontrollen überzeugen - auch mit gezielten Tests. Laut UCI ist eine Gruppe von 50 Fahrern seit Wochen in einem intensiven Kontrollprogramm, das auch während der Tour fortgeführt werden wird.
Zum Teil kommen diese Fahrer aus der Gruppe jener, deren Werte in den seit eineinhalb Jahren geführten Biologischen Pässen Unregelmäßigkeiten aufgewiesen hätten. Namen wurden nicht genannt. Aber trotz allem Eifer: Die Schar der Zweifler und Skeptiker wird größer. Hans-Michael Holczer, Ex-Chef des aufgelösten Gerolsteiner-Teams, fordert eine neue Sichtweise: „Den Sport, den wir gerne hätten, gibt es nicht mehr.“
Holczer ist längst ernüchtert: „Seit dem Fall Rebellin habe ich keine Illusionen mehr. Wir müssen uns verabschieden von dem Glauben, dass durch mehr und immer bessere Kontrollen - so richtig und wichtig sie auch sind - der Sport so wird, wie wir ihn gerne hätten: ehrlich, ordentlich. Wir erwarten zu viel, das ist nicht machbar“, sagte der gelernte Berufsschullehrer, der die Tour als Repräsentant eines Sponsors sporadisch besuchen wird.
“Ich bin in Bezug auf die Vorhersage von Dopingfällen bei der kommenden Tour weder Optimist noch Pessimist. Aber es gibt immer ein oder zwei Idioten“, sagte UCI-Präsident Pat McQuaid der Nachrichten-Agentur AP. Im Vorjahr, als die AFLD wegen des inzwischen beigelegten Streits zwischen dem Tour-Organisator ASO mit dem Weltverband UCI die Hoheit bei den Kontrollen besaß, war der erste Dopingfall am sechsten Tourtag fällig. Insgesamt waren 2008 sieben Doper, darunter in Nachkontrollen die Gerolsteiner-Stars Bernhard Kohl und Stefan Schumacher überführt worden. Kohl gestand und trat zurück, Schumacher leugnet und steht während der Tour vor den Schranken des Sportgerichts CAS.
Der vorjährige „Bergkönig“ und Tour-Dritte Kohl habe den Verantwortlichen mit seinen Aussagen in Bezug auf die Wirkungsweise des Blutdopings und deren Praxis sehr geholfen, sagte AFLD-Chef Pierre Bordry, der mit McQuaid kooperiert. Zwar ist die UCI bei den Kontrollen wieder der Chef, aber die AFLD kann intervenieren und gezielte Tests verlangen. Bei Unstimmigkeiten darüber soll die Welt- Dopingagentur WADA die Entscheidungsgewalt haben.
Dazu kündigte Bordry neue Testmethoden an: Alles in allem scheint das diesjährige Kontrollszenario jedenfalls auf schwerere Zeiten für Betrüger hinzudeuten. Der Kohl-Vorwurf steht allerdings weiter im Raum: „Ich habe mindestens hundertmal gedopt und bin nur einmal aufgefallen.“
Laut McQuaid sollen insgesamt 520 Blut- und Urintests vorgenommen werden, die ersten, obligatorischen Bluttests erfolgen bei allen 180 Startern. Die Proben werden eingefroren, um sie gegebenenfalls später nachkontrollieren zu können. Nach jeder Etappe werden wie immer der Tagessieger, der Träger des Gelben Trikots und mindestens vier geloste Fahrer, deren Namen erst 15 Minuten vor Etappenende genannt werden, kontrolliert. Die Kandidaten werden im Ziel von „Chaperons“ in Empfang genommen und bis zum Vollzug nicht mehr aus den Augen gelassen. Bereits vor Wochen schwärmte McQuaid: „Die Tour wird das am besten kontrollierte Großereignis der Sportgeschichte sein.“