Profi-Radsport

Wird auch die Tour 2009 vom Doping-Thema eingeholt?

Die Skepsis fährt mit

01.07.2009 - Hamburg (dpa/rsn) - Manuel Beltran sorgte für die traurige Ouvertüre, das Gerolsteiner Duo Stefan Schumacher und Bernhard Kohl für den düsteren Schlussakkord: Die Angst vor neuerlichen Skandalen sitzt der Tour de France im Nacken.

Nach den ständigen Negativschlagzeilen bleibt Skepsis der ständige Begleiter des Tour-Trosses. Selbst die Protagonisten hegen nach den Erfahrungen im Vorjahr nur vorsichtig die Hoffnung, dass die am 04. Juli in Monaco beginnende 96. Große Schleife sauber über die Bühne gehen. "Wenn ich sage, ich habe keine Angst, sagt jeder, wie naiv ist Gerry van Gerwen. Andersrum kann ich es auch nicht sagen. Ich weiß es einfach nicht", beantwortete Milram-Teamchef Gerry van Gerwen die Frage, ob die Tour wieder von ihrem Dauerthema eingeholt werden wird.

Die Vorzeichen lassen zumindest wenig Gutes erahnen. Der Präsident des Weltverbands UCI, Pat McQuaid, hatte zuletzt erklärt, dass vor Tour-Start womöglich noch ein oder zwei Fahrer als Konsequenz aus der Einführung des Blutpasses beschuldigt werden könnten. Für die kommenden drei Wochen sei er weder "Optimist noch Pessimist", ein oder zwei "Idioten" gebe es immer.

Im vergangenen Jahr waren es - um im Sprachgebrauch McQuaids zu bleiben - sogar derer sieben gewesen, darunter Bergkönig Riccardo Ricco. Der bittere Höhepunkt kam erst zweieinhalb Monate nach dem Gesamtsieg von Carlos Sastre mit einem spektakulären Doppelschlag gegen die aufgelöste Gerolsteiner-Equipe: Erst erwischte es den zweifachen Zeitfahrsieger Stefan Schumacher, dann den Gesamtdritten Bernhard Kohl. Beide wurden, wie Ricco und dessen Teamkollege Leonardo Piepoli, positiv auf das neuartige EPO-Präparat CERA getestet. Auch für die kommende Tour hat die französische Anti- Doping-Agentur AFLD den Betrügern den Kampf angesagt. Es gebe ein neues Testverfahren für eine Substanz, von dem die Fahrer noch nichts wüssten, kündigte AFLD-Chef Pierre Bordry an.

Trotzdem hat Linus Gerdemann seine Zuversicht noch nicht verloren. "Ich glaube, dass der Sport diesmal mal wieder in den Mittelpunkt rückt", meinte der Milram-Kapitän. Doch die vergangenen Tage scheinen den 26-Jährigen eines Besseren zu belehren. Erst das Hickhack um die Tour-Teilnahme des in Italien gesperrten Weltranglistenersten Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne), dann der Justizmarathon des belgischen Ex-Weltmeisters Tom Boonen - und nun auch noch schwere Vorwürfe von Patrik Sinkewitz gegen sein ehemaliges Quick Quick-Team: Die Vorboten der Tour erinnern sehr an 2008.

Und dass Fahrer wie Andreas Klöden, Lance Armstrong und Alberto Contador, deren Vita ähnlich viele Fragezeichen aufweist wie Erfolge, in diesem Jahr wieder dabei sind, gibt den Kritikern reichlich Nahrung.

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