Profi-Radsport

Die Chancen der deutschen Tour-Starter

Hinault traut Ciolek Etappensieg zu

02.07.2009 - (sid/rsn) - Das Lob für Gerald Ciolek kam von höchster Stelle. "Er ist fast so schnell wie Mark Cavendish. Ich glaube, dass er die Stars ärgern und ein paar Etappen gewinnen kann", schwärmt der fünfmalige Toursieger Bernhard Hinault vom Zabel-Nachfolger aus dem Milram-Team.

Für den Franzosen ist Ciolek der deutsche Starter mit den größten Chancen auf einen Etappensieg. Um mehr wird es für für den 22-jährigen Kölner und die 14 weiteren deutschen Teilnehmer bei der am Samstag beginnenden 96. Tour de France wohl nicht gehen. Im Kampf um den Gesamtsieg dürfte keiner von ihnen eine Rolle spielen.

Am ehesten hätte noch der im Zuge der Freiburger Dopingermittlungen schwer belastete Andreas Klöden ein Wörtchen mitreden können. In einem Team mit Topfavorit Alberto Contador, Superstar Lance Armstrong oder Levi Leipheimer  bleibt dem zweimaligen Tour-Zweiten aber nur die Rolle des Edelhelfers im Hochgebirge. Die Form stimmt bei Klöden jedenfalls, bei der Tour de Suisse fuhr der 33-Jährige auf den vierten Platz.

In der Schweiz war Klöden zugleich Zeuge, als der Stern eines jungen deutschen Fahrers aufging. Die Rede ist von Tony Martin, der die Bergankunft in Crans Montana gewann, sich das Bergtrikot sicherte und überraschend Gesamtzweiter hinter Olympiasieger Fabian Cancellara (Saxo Bank) wurde. Der 24-jährige Eschborner bremst aber allzu hohe Erwartungen. "Ich bin kein Jan Ullrich. Ich will meine eigene Geschichte schreiben", sagt Martin, der in seiner Spezialdisziplin Zeitfahren auftrumpfen will und im Columbia-Team als Helfer für die Kapitäne Kim Kirchen und Michael Rogers vorgesehen ist.

Bis zur Tour de Suisse galt Linus Gerdemann noch als größte deutsche Hoffnung, ehe er sich dort in schwacher Form präsentierte. "2007 war ich in der Schweiz noch schlechter und bin dann bei der Tour ins Gelbe Trikot gefahren. Ich darf jetzt nicht nervös werden", macht sich der Wahl-Schweizer Mut.

Doch nicht nur Gerdemann, das gesamte Milram-Team konnte in der laufenden Saison noch nicht so recht überzeugen. Sieben Saisonsiege sind die schlechteste Ausbeute in der Teamgeschichte. Am Wochenende in Cottbus verlor dann auch noch Fabian Wegmann sein Meistertrikot an Außenseiter Martin Reimer (Cervélo testTeam) abgeben musste. "Wir werden noch für Überraschungen sorgen", behauptet Teamchef Gerry van Gerwen, der seine Mannschaft trotzdem auf einen guten Weg sieht.

Auf einem guten Weg ist seit einem halben Jahr auch Heinrich Haussler. Seit seinem Wechsel zu Cervélo fährt der Deutsch-Australier von Erfolg zu Erfolg, holte vier Siege und zehn weitere Podestplatzierungen. Bei der Tour könnte der 25 Jahre alte Freiburger in den Kampf um das Grüne Trikot eingreifen. In erster Linie ist aber noch eine Rechnung mit Cavendish offen, der ihm beim Frühjahrsklassiker Mailand-San Remo wenige Zentimeter vor dem Zielstrich den Sieg wegschnappte.

Der Oldie unter den deutschen Fahrern ist nach dem Zabel-Abschied der 37-jährige Jens Voigt (Saxo-Bank), der seine dreizehnte Tour fährt. "Diesmal habe ich wohl mehr Freiheiten als 2008", sagt der zweimalige Deutschland-Toursieger und peilt wieder einen Etappensieg an. Im vergangenen Jahr hatte sich der Berliner strikt in den Dienst seiner Mannschaft gestellt - erfolgreich, wie der Toursieg von Carlos Sastre, diesmal für Cervélo am Start, bewies.

Während Voigt die französische Landkarte in- und auswendig kennt, betreten zwei Deutsche Neuland. Milram-Profi Johannes Fröhlinger und Simon Geschke  vom Team Skil-Shimano fahren ihre erste Tour und haben als oberstes Ziel ausgegeben: in Paris ankommen.

In erster Linie für Helferdienste vorgesehen sind in ihren Mannschaften der Hannoveraner Grischa Niermann (Rabobank), der Erfurter Sebastian Lang (Silence-Lotto), der Münchner Andreas Klier (Cervélo), Zeitfahrweltmeister Bert Grabsch (Columbia-HTC), der Kaarster Markus Fothen und der Euskirchener Christian Knees (beide Milram).

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