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26.07.2009 - Paris (dpa) - Die wieder aufgeflackerte Liebe zwischen Lance Armstrong und der Tour de France hat sich für den 37 Jahre alten Texaner rein sportlich betrachtet nicht ausgezahlt. Ein achter Triumph gelang dem geheilten Krebspatienten, der die Sport-Welt seit seinem ersten Toursieg 1999 in Atem hält, nämlich nicht.
Zu groß war die Überlegenheit seines Rivalen und Teamkollegen Alberto Contador, zu gewaltig der Sprengstoff der gestörten Harmonie in der Astana-Mannschaft. Platz drei und die Verbeugung des ihm gewogenen Veranstalters mussten reichen. Nach seiner Fahrt auf den Mont Ventoux titelte die "L`Équipe" anerkennend: "Chapeau". Der siebenfache Toursieger, der den zehn Jahre jüngeren spanischen Tour-Matadoren weder in den Pyrenäen, den Alpen und auch nicht im Zeitfahren im Zaum halten konnte, hat aber noch nicht genug.
"Im nächsten Jahr komme ich wieder und werde stärker sein", versprach der nimmermüde Armstrong, der schon jetzt mit seinem zukünftigen Radio-Shack-Team unter den Fittichen seines alten Mentors Johan Bruyneel zum Generalangriff auf Contador blies. "Ich kann noch ein bisschen leiden", versprach Armstrong und verriet damit vielleicht einen wichtigen Antrieb für sein überraschendes Comeback, zu dem er sich im September 2008 durchgerungen hatte. Zudem entpuppten sich der erstmals gefahrene Giro d`Italia und die Tour als ideale Werbeplattformen für seine weit verzweigte Krebsstiftung "Livestrong", die erhebliche Mittel generiert.
Die 96. Tour brachte dem Rückkehrer, dem beständig ein Wechsel in die Politik nachgesagt wird, aber auch eine ihm völlig neue Erkenntnis: Sie hat ihn gelehrt zu verlieren. Und "der alte Mann", wie die "L`Équipe" schrieb, trug die Niederlagen nach seinem einzigartigen Triumphzug von 1999 bis 2005 mit Fassung und Ironie. "Nicht schlecht für einen alten Sack wie mich", kommentierte er seinen hartumkämpften Podiums-Platz in Paris.
Armstrong und die Tour: Einer kann nicht ohne den anderen und deshalb breiten zumindest die Organisatoren dem umstrittenen Texaner auch 2010 wieder die Arme aus. Nicht alle sind von diesem Plan so begeistert wie die Tour-Chefs, die längst nichts mehr wissen wollen von den sechs positiven Nachkontrollen auf EPO von 1999, mit denen Armstrong 2005 aus Frankreich verabschiedet wurde.
"Mir geht der Rummel um Armstrong ziemlich auf die Nerven. Aber jeder bekommt eben den Radsport, den er verdient", hatte Cofidis- Teamchef Eric Boyer mit Blickrichtung Tour-Organisation ASO bereits nach den ersten Tagen erklärt. Linus Gerdemann, einem aus der jüngeren Generation, sind die Aktivitäten des unermüdlichen Armstrong, der im September 38 Jahre alt wird, ziemlich egal: "Wenn er sich noch sportlich in Frankreich betätigen will - dann soll er doch."
Im Boxen haben nur ganz wenige Fighter das Gesetz "They will never come back" erfolgreich gebrochen. Armstrong versucht es im nächsten Jahr wieder, aber mit welchen Perspektiven, wenn er schon auf dieser Ehrenrunde - gemessen an seinen hohen Ansprüchen - scheiterte?
Unangenehme Fragen wird er sich vom Veranstalter jedenfalls nicht stellen lassen müssen - etwa nach seinen nachträglichen Positiv-Analysen (EPO) von der Tour 1999, die vor vier Jahren folgenlos blieben. Die Tour hat ihn als gern gesehenen Rückkehrer begrüßt und der Fortsetzung seines Comebacks 2010 mit neuem Team steht nichts im Wege. Nach seiner Tour-Ehrenrunde kündigte er bereits an: "Meine Vorbereitung für 2010 beginnt im August."