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26.07.2009 - Paris (dpa) - In seinem Heimatland haben sich die Zweifel längst in Luft aufgelöst: Alberto Contador (Astana), der als einer von zahlreichen Spitzenfahrern seit 2006 mit der Dopingaffäre Fuentes in Verbindung gebracht wird, wird in Spanien kritiklos verehrt und sogar schon mit dem fünffachen Toursieger Miguel Indurain verglichen.
“Das beschämt mich“, sagte Contador und zeigte dabei das verlegene Lächeln des in einfachen Verhältnissen im Arbeitervorort Pinto im Süden Madrids groß gewordenen Jungen. Wie sein großer Gegenspieler Lance Armstrong musste auch Contador erst den Tod besiegen, bevor er sich bei der Tour de France eindrucksvoll in Szene setzte.
Das tat Contador bei der 96. Ausgabe auf seinem bevorzugten Terrain, den Pyrenäen und Alpen, aber zum ersten Mal auch im Kampf gegen die Uhr. Sein zweiter Gesamtsieg in Frankreich im Alter von 26 Jahren - Armstrong feierte seinen ersten Tour-Triumph 1999 mit fast 28 Jahren - hatte mehr Glanz als sein erster. 2007 profitierte Contador von der Disqualifikation des Dänen Michael Rasmussen, diesmal beherrschte er die Tour in der Manier von Armstrong. „Contador schreibt Geschichte“, schrieb „El Mundo“.
Das 60 Kilogramm-Leichtgewicht hatte Angriffe auf zwei Ebenen abzuwehren: Zuerst meisterte Contador den Druck, den sein Teamkollege und Gegner Armstrong mit Rückendeckung des Managers Johan Bruyneel ausübte. Dann hatte er in den Bergen den Widerstand der Schleck-Brüder aus Luxemburg zu brechen. Beides ging mit erstaunlicher Geschmeidigkeit vonstatten. „2007 habe ich mit den Beinen gewonnen, diesmal auch mit dem Kopf“, sagte Contador, nachdem er sich auf dem Mont Ventoux sogar leisten konnte, Armstrongs dritten Platz in kameradschaftlicher Weise abzusichern.
Was Contador, der 2004 eine riskante Operation an einem Aneurysma (Gefäßerweiterung) im Gehirn nach tagelangem Koma überlebte, nicht im Griff hat, sind die Zweifel. Mit denen hat er sich allerdings vornehmlich im Ausland auseinanderzusetzen und nicht erst seit dieser Tour. Der dreifache Toursieger und Dopingkritiker Greg LeMond zweifelte Contadors außergewöhnliche Leistungen im französischen Fernsehen öffentlich an und appellierte an den Spanier: „Alberto, beweise uns, dass du sauber bist.“
Wilhelm Schänzer wollte den 1,76 Meter großen Spanier, der im kasachischen Team von einem eigenen Pressesprecher und seinem Bruder Francisco als Manager begleitet wird, nicht beschuldigen. Der Kölner Dopinganalytiker gab aber zu bedenken: „Das ist eine Leistung, die man im Augenblick anerkennen muss. Jeder muss sich selber seine Meinung bilden, ob sie ohne Doping zustande gekommen ist.“
Die Initialen A.C. als naheliegendes Kürzel für „Alberto Contador“ fanden sich in den Fuentes-Unterlagen und Medikationsplänen, die der Guardia Civil vorliegen. Nach kurzer Zeit verschwand sein Name aus den Akten und so kann er heute erklären, dass es niemals in die „Affäre Fuentes“ verwickelt war. Dass ihm mit Manolo Saiz, dem damaligen Teamchef vom Team Once, eine Hauptfigur des Skandals den Weg in den Profisport ebnete, muss nichts bedeuten.
Um ein starkes Votum gegen Doping gebeten, sagte Contador nach der Ventoux-Etappe: „Die Tour ohne Dopingfall - das ist ein Sieg für den Radsport, der auf dem richtigen Weg ist. Ich stehe 365 Tage im Jahr gerne für jede Kontrolle bereit.“