Profi-Radsport

Contadors Leistung und Vergangenheit geben Anlass zu Fragen

Wieder Schatten auf dem Gelben Trikot

26.07.2009 - (sid) - Alberto Contador wirkte ziemlich erleichtert. Nur zwei Fragen musste der Spanier auf der Sieger-Pressekonferenz der Tour de France zum Thema Doping beantworten. Und diese parierte er lächelnd mit einstudierten Phrasen. "Ich bin froh, dass es keinen Dopingskandal gab. Die Mentalität hat sich geändert. Das ist ein großer Sieg für den Radsport", sagte Contador.

Der Astana-Kapitän gab sich locker, doch die Schatten auf seinem Gelben Trikot wurde er nicht los. Zu erdrückend war seine Dominanz, zu spielerisch radelte er die schwersten Berge hinauf und gewann auch noch völlig überraschend das Einzelzeitfahren von Annecy. Contador versteht die Aufregung natürlich nicht. "Wir können 365 Tage im Jahr lokalisiert und ständig kontrolliert werden." Das sei gut für den Sport.

Immer wenn das böse D-Wort eine Rolle spielt, zupft Contador am Schirm seiner Baseballmütze als wollte er sie etwas tiefer ins Gesicht ziehen. AC steht in gelben Buchstaben auf der Kappe. Das ist sein Kürzel. Es war auch in den Akten des Gynäkologen Eufemiano Fuentes zu finden, der 2006 für den größten Dopingskandal der Radsport-Geschichte gesorgt hatte.

Das Kürzel verschwand jedoch auf mysteriöse Weise aus den Akten und Contador fuhr 2007 zu seinem ersten Toursieg. Das Gelbe Trikot hatte er damals von Michael Rasmussen übernommen. Der Däne, mit dem er sich fast schon irrsinnige Bergsprints geliefert hatte, war vier Tage vor dem Ende der Rundfahrt wegen dringenden Dopingverdachts ausgeschlossen worden.

Über die Vergangenheit will Contador lieber nicht reden. Das langweilt ihn. "Der Sieg in diesem Jahr bedeutet mir mehr. Heute wird nur über Radsport geredet und nicht über Doping", sagte der 26-Jährige. Diese Einschätzung hat der schmächtige Kletterkünstler allerdings exklusiv.

Während der Tour zweifelte der dreimalige Tour-Sieger Greg LeMond an den Leistungen Contadors. Der Amerikaner zog dabei ein Modell des anerkannten Leistungsdiagnostikers Professor Antoine Vayer heran, wonach Contador für die Leistung bei seinem Etappensieg im Schweizer Skiort Verbier einen VO2max-Wert (misst die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit des Blutes) von 99,5 Milliliter pro Minute pro Kilogramm haben müsste.

"Meines Wissens ist das ein Wert, der zuvor niemals von irgendeinem Athleten in irgendeiner Sportart erreicht wurde. Das ist fast so, als ob ein Mercedes aus dem Autohaus an einem Formel 1 Rennen teilnehmen und gewinnen würde", sagte LeMond. Da stimme irgendetwas nicht. Sei es wirklich möglich, eine solche Leistung an der frischen Luft zu erreichen?

Contador verweigert die Antworten auf solche Fragen. Und in seiner Heimat bekommt er sie ohnehin nicht gestellt. Dort bewundern sie den Jungen aus Pinto, einem Vorort von Madrid, bei dem nach einem schweren Sturz bei der Asturien-Rundfahrt 2004 eine lebensgefährliche Gefäßerweiterung im Gehirn festgestellt worden war. Das Ende der Karriere drohte, doch er kämpfte sich zurück und saß sechs Monate nach der Operation wieder auf dem Rad.

Die Geschichte erinnert zumindest ein wenig an den Überlebenskampf von Lance Armstrong. Contador habe damals im Krankenhaus sein Buch gelesen. In Frankreich war er über die Anwesenheit des Rekordsiegers aus Texas allerdings weniger erfreut. Conador und Armstrong sind beide Alpha-Männchen. Es funktioniert nicht, sie in einem Team fahren zu lassen.

"Ich habe zwei Siege errungen. Einmal die Tour und einmal im Teamhotel. Es gab Kräfte, die gegen mich gearbeitet haben, aber ich habe mich durchgesetzt", meinte Contador. Nach der Saison werden sich die Wege der beiden Streithähne trennen. "Ich werde bei einem anderen Projekt sein, als es Lance ist. Ich habe verschiedene Optionen."

Armstrong wird im nächsten Jahr wieder sein Gegner sein. Contador lächelt erleichtert, als die Fragen vom Thema Doping zu Armstrong wechseln. Aussagekräftiger werden die Antworten dennoch nicht. "Lance wird nächstes Jahr sehr gefährlich werden."

Umfragen
Wer gewinnt Mailand-San Remo?
Tom Boonen
Fabian Cancellara
Mark Cavendish
Oscar Freire
Thor Hushovd
Ein Anderer
Abstimmen Ergebnis
Live-Ticker