Niermanns Saison auf Video
Rabobank-Profi Grischa Niermann erklärt, wie er sein Rad gegen den Winter wappnet. [weiter]
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26.07.2009 - (sid/rsn) - Ein zuverlässger Edelhelfer mit schlechten Manieren, ein Freiburger, der schon Richtung Australien schaut und ein Debütant mit großer Zukunft: Die deutschen Fahrer haben bei der 96. Tour de France ganz unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Tony Martin mit seiner zwölftägigen "Triumphfahrt in Weiß" und Etappensieger Heinrich Haussler sorgten für die Glanzlichter, dem überzeugenden Team Milram fehlte nur der angestrebte Etappensieg und Jens Voigt ließ die Zuschauer mit seinem Horror-Sturz den Atem anhalten.
Bester in Paris mit Platz sechs in der Gesamtwertung war Andreas Klöden, doch der frühere Ullrich-Helfer stand sich auf und neben der Rennstrecke mal wieder selbst im Weg. Die ungeklärten Fragen hinsichtlich der Dopingvorwürfe aus Freiburg beantwortete Klöden mit Schweigen. Stattdessen trat er häufig negativ in Erscheinung, als er etwa mit herausgestreckter Zunge an einem deutschen Kamerateam vorbeifuhr oder nichtssagende Antworten auf vorher ausgewählte Fragen in der „L’Equipe“ gab. Immerhin hat er in Lance Armstrong einen neuen Freund und damit vielleicht auch bald ein neues Team gefunden.
Das Kontrastprogramm zum 34-jährigen Klöden lieferte der zehn Jahre jüngere Martin ab. Mit einem erfrischenden Auftritt hat der 24-Jährige bei den deutschen Radsport-Fans Lust auf mehr gemacht. Zwei Wochen schwebte der Eschborner im siebten Himmel, ehe in den Alpen der große Einbruch kam. Am Mont Ventoux setzte er aber nochmals ein ganz dicke Ausrufezeichen und verpasste als Zweiter um Haaresbreite den größten Erfolg seiner Karriere.
"Ich habe mehr erreicht, als ich gedacht hatte. In der dritten Woche war die Form nicht mehr da. Daraus muss ich lernen. Aber ich habe mir einen Namen gemacht. Ich komme wieder und will irgendwann unter die besten Zehn, Fünf oder Drei fahren", bilanzierte der Allrounder.
Der Columbia-Profi nahm die Rolle ein, die eigentlich für Milram-Kapitän Linus Gerdemann reserviert war. Doch der 26-Jährige fuhr seinen eigenen Ansprüchen hinterher. "Ich war nicht bei 100 Prozent. Das habe ich zu spüren bekommen. Die Vorbereitung ist nicht so gut gelaufen. Vielleicht habe ich überzogen", rätselte Gerdemann, der mit über 38 Minuten Rückstand Paris erreichte.
Gerdemanns Teamkollege Gerald Ciolek erging es nicht viel besser. Der frühere U23-Weltmeister war zwar im Sprint stets vorne dabei, aber ihm gelang kein Etappensieg. Gegen den Sprintkönig Mark Cavendish oder den Punktbesten Thor Hushovd war kein Kraut gewachsen. Der Sponsor Nordmilch war aber auch so zufrieden und nahm von einem vorzeitigen Ausstieg Abstand und wird den Vertrag auf jeden Fall bis Ende 2010 erfüllen.
Damit sorgte Heinrich Haussler für den einzigen deutschen Etappensieg bei der diesjährigen Tour. Fünfzig Kilometer von seiner Wahlheimat Freiburg entfernt schlug der Senkrechtstarter auf der Etappe nach Colmar zu und feierte bei strömenden Regen den größten Sieg seiner Karriere. Die will er zukünftig für Australien fortsetzen, trotz aller Bemühungen steht seine Entscheidung zu einem Wechsel der Staatsbürgerschaft fest.
So bewegend der Sieg Hausslers war, so tragisch war der Sturz von Voigt. Bei Tempo 80 knallte der Berliner auf der 16. Etappe mit dem Kopf auf die Straße. Der Helm bewahrte den 37-Jährigen vor Schlimmerem. So erlitt Voigt "nur" einen Jochbeinbruch und eine Gehirnerschütterung.