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12.03.2001 -
Lausanne/Berlin (dpa) - Der 31-jährige Radprofi Richard Virenque hat einen Pyrrhussieg errungen. Der Internationale Sport-Gerichtshof CAS in Lausanne begnadigte den Franzosen, der am 29. Dezember vergangenen Jahres zu einer Doping-Sperre bis zum 1. November 2001 verurteilt worden war.
Allerdings bleibt die Tour de France in diesem Jahr für Virenque außer Reichweite. Der Kletterspezialist, der nach jahrelangem Leugnen im Zivil-Prozess in Lille gegen sein früheres Festina-Team im vergangenen Oktober regelmäßigen Konsum von Doping-Präparaten zugegeben hatte, darf erst ab dem 15. August wieder Rennen bestreiten. Seine Sperre von neun Monaten ab 1. Februar wurde auf sechseinhalb Monate reduziert. Die Begründung des CAS für die Begnadigung: Virenque hätte einen Teil der Strafe schon im Herbst 1998 nach der Tour-Suspendierung seiner damaligen Mannschaft verbüßt.
Damit findet die am 7. Juli in Dünkirchen beginnende Tour de France definitiv ohne den fünfmaligen Gewinner des Bergtrikots statt. Seine großen Saisonziele 2001 könnten jetzt die Spanien-Rundfahrt (8.-30. September), die WM (11.-14. Oktober in Portugal) und ein Teil der Herbstklassiker sein. Der Tour-Zweite von 1997 hinter Jan Ullrich will sich jetzt auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber konzentrieren. Angeblich soll sich Virenque, einer der Hauptfiguren des Tour-Skandals von 1998, mit dem französischen Team Delatour, in dem auch sein ehemaliger Arbeitskollege aus Festina-Zeiten, Laurent Brochard, tätig ist, schon relativ nahe gekommen sein. Mit Ende der vergangenen Saison hatte sich sein bisheriger Rennstall Polti (Italien) aus dem Profi-Radsport zurückgezogen.
«Seine erste Reaktion war Enttäuschung, aber ich habe ihm geraten, sich jetzt die Spanien-Rundfahrt vorzunehmen», erklärte Virenque-Manager Eric Boyer, der Kontakte zu zwei französischen Teams bestätigte. Unter anderen hatte auch das deutsche Zweitliga-Team Gerolsteiner zu Beginn der neuen Saison Abstand von einer möglichen Verpflichtung genommen. «Er wäre billig zu haben gewesen und hätte uns die Punkte gebracht, die uns zu einer GS-I-Mannschaft gefehlt hätten. Aber ein Wechsel Virenques zu uns kam aus unserer Sicht nicht in Frage», hatte Gerolsteiner-Teamchef Rolf Gölz im Januar erklärt.
Das dreiköpfige Schiedsgericht, die letzte Sport-Instanz im Fall Virenque, hatte in seiner Entscheidung auch berücksichtigt, dass ehemalige Team-Kollegen nach ihren Doping-Geständnissen im Verhältnis günstiger davon gekommen waren, als der in Genf wohnhafte Franzose. Der Schweizer Alex Zülle, jetzt Toppfahrer des zweiten deutschen GS- I-Rennstalls Coast, konnte zum Beispiel nach einer siebenmonatigen Strafe schon ab 1. Mai 1999 wieder Rennen fahren. Zülle hatte in einer Gefängniszelle Doping mit Wachstumshormonen und EPO gestanden.
Das Gericht in Lille hatte den in Casablanca geborenen Virenque nach dessen spätem Doping-Geständnis frei gesprochen. Der Disziplinar-Ausschuss des Schweizer Radsport-Verbandes hatte im Anschluss daran im vergangenen Dezember einstimmig sein sportliches Urteil gesprochen, das nun relativiert wurde. Im Fall des deutschen Läufers Dieter Baumann hatte das CAS die Sperre des Internationalen Leichtathletik-Verbandes in Sydney bestätigt und damit den Olympia-Start des Schwaben verhindert.
«Wir halten uns mit einer Beurteilung zurück. Das galt auch schon für die Urteile von Lille. Wir haben mit der Doping-Bekämpfung bei uns genug zu tun», sagte Karsten Schütze, der stellvertretende Generalsekretär des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der im Doping-Fall des Kölner Profis Andreas Kappes (Nandrolon) signalisierte, dass der Verband gegen die Bestätigung des Freispruches juristisch nicht weiter vorgehen werde. Schütze: «Aber unser Anwalt prüft das noch.»
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