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10.01.2002 -
Essen (dpa) - Nobles Ambiente, teure Stars, hohe Erwartungen - mit Mittelmaß mag sich beim Team Coast niemand begnügen. Nach der letztjährigen Mannschafts-Präsentation im Berliner Reichstag wurde der für diese Saison zusammengestellte Rennstall im vornehmen Essener Wasserschloss Hugenpoet vorgestellt.
Ähnlich professionell wie bei der Auswahl der Örtlichkeiten gingen Sponsor Günther Dahms und Team-Manager Marcel Wüst in den vergangenen Monaten bei der Auswahl der Profis und des Betreuerstabs vor. Dennoch maßt sich niemand an, dem übermächtigen Konkurrenten Team Telekom öffentlich den Kampf anzusagen. «Wir blasen nicht zum Angriff», bekannte der ehemalige Rad-Profi Wüst, «die Telekom-Mannschaft hat einen Status, den kann man gar nicht angreifen.»
Gleichwohl soll der Marke Coast nun mit aller Macht in die Schlagzeilen verholfen und die große Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit verkleinert werden. Dafür hat Unternehmer Dahms die Schatulle noch einmal weit geöffnet und die Zuwendungen um rund 20 Prozent auf geschätzte sieben Millionen Euro (14 Mio. Mark) erhöht. Doch mit dem Etat steigt auch der Druck auf die Profis. Wolfram Lindner, Sportlicher Leiter des aufstrebenden Essener Rennstalls, macht aus der veränderten Erwartungshaltung keinen Hehl: «Wir wollen eine bessere Rolle spielen als im letzten Jahr. Alle sind hochmotiviert.»
Für mehr Siege und Medien-Präsenz soll vor allem Angel Luis Casero sorgen. Die bisherige «Stallregie» sieht vor, dass der vor wenigen Monaten verpflichtete 29 Jahre alte Vuelta-Sieger beim Giro d`Italia erstmals seine Klasse unter Beweis stellt. «Das Profil der Italien-Rundfahrt kommt ihm sehr entgegen», sagte Wüst, der neben Casero weitere sechs Fahrer von seinem ehemaligen Arbeitgeber Festina nach Deutschland lockte. Sollte seinem neuen Team Anfang Mai erstmals eine Wildcard für die Tour de France zugesprochen werden, will der in seinem Heimatland Spanien ungemein populäre Casero sogar auf die mögliche Titelverteidigung bei der Vuelta verzichten. «Dann fahren ich nur den Giro und die Tour», sagte der Rundfahrten-Spezialist, der seinen ungewöhnlichen Wechsel von Festina zu Coast mit einfachen Worten erklärte: «Meine Freunde fahren hier, also fahre auch ich hier.»
Offen mag beim Team Coast niemand von der Frankreich-Rundfahrt sprechen. Die Tour-Direktion soll mit großen Taten statt großen Worten überzeugt werden. «Diese Qualifikation müssen wir uns erst noch erstrampeln», sagte Wüst voller Hoffnung auf gute Ergebnisse bei den Frühjahrs-Klassikern. Denn mit einem Start beim wichtigsten Rennen der Welt könnte der Wunsch nach mehr Popularität im eigenen Land schneller Realität werden.
Vor allem die hohe Zahl ausländischer Fahrer erschwert die Akzeptanz bei den heimischen Rad-Fans. Nur 9 der 27 Fahrer kommen aus Deutschland, 8 allein aus Spanien. Doch in Zukunft sollen deutsche Teammitglieder wie Steffen Radochla, Rafael Schweda und Vierer-Olympiasieger Daniel Becke den «Leitwölfen» Casero, Alex Zülle (Schweiz) und Fernando Escartin (Spanien) Konkurrenz machen. «Das sind die deutschen Radsport-Stars von Morgen», schwärmte Wüst, «sie bekommen bei uns die Zeit zu reifen.»
Noch stehen die Deutschen allerdings im zweiten Glied. Selbst Lindner musste einen Teil seiner Verantwortung an einen anderen abtreten. Als starker Mann gilt nun der Spanier Juan Fernandez, der in den letzten Jahren als Sportlicher Leiter bei Top-Teams wie Mapei und Festina vier Mal die Vuelta und einen Giro gewann.
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