Profi-Radsport

„Zwei Prozent stärker als letztes Jahr“

Gerdemann überlistet die Sprinter

11.03.2010 - Rosignano (dpa/rsn) - Die Erleichterung steht Linus Gerdemann ins Gesicht geschrieben. In der noch jungen Saison hat der 27-jährige Münsteraner bereits seinen zweiten Coup gelandet und ist auf dem besten Weg, sein schwaches Vorjahr vergessen zu machen. Im Februar hatte Gerdemann ein Rennen der Mallorca Challenge gewonnen. Damit hat er bereits jetzt einen Sieg mehr als in der gesamten vergangenen Saison eingefahren, als ihm nur der Gesamtsieg bei der Bayern-Rundfahrt gelang.

Den Auftakterfolg bei der Fernfahrt Tirreno Adriatico errang der Rundfahrtspezialist auf für ihn ungewöhnliche Weise. Er ließ im Spurt einer vierköpfigen Gruppe die als antrittsschneller bekannten Matti Breschel (Saxo Bank) und Luca Paolini (Aqua&Sapone) hinter sich: „Ich habe mir selbst keine großen Chancen ausgerechnet. Aber dann haben die anderen den Spurt zu früh eröffnet und plötzlich war der Weg frei für mich“, sagte er in Rosignano der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der Sieg verschafft dem Milram-Kapitän eine besondere Befriedigung, war doch sein Team überraschenderweise weder zur parallel laufenden Fernfahrt Paris-Nizza noch zum Traditionsrennen Strade Bianche eingeladen worden. Besonders der Verzicht auf das italienische Rennen wurmte Gerdemann. „Wir haben dort im letzten Jahr das Rennen dominiert und drei Mann unter den besten zehn gehabt. Ich kann nicht verstehen, dass man uns jetzt nicht berücksichtigt“, klagte er. Umso schöner empfindet er daher diesen Sieg beim sportlich höherwertigen Tirreno.

Gerdemann wehrt sich dagegen, im Milram- Team, dessen Sponsor Ende der Saison aussteigen wird, nur noch ein Auslaufmodell zu sehen. „Wir wollen zeigen, dass es sich lohnt, in uns zu investieren. Wir kämpfen dafür, dass es auch im nächsten Jahr noch ein deutsches ProTour-Team gibt“, sagte er. Dass die neue Milram-Power in erster Linie der Existenzangst geschuldet ist, verneint er. „Wir waren immer motiviert“, stellt er fest. Ein Unterschied zum letzten Jahr ist aber, dass er nach eigener Einschätzung jetzt um ein bis zwei Prozent stärker ist. Zudem sehen die Mannschaftskollegen sehen nun, dass ihr Kapitän wieder ein Siegfahrer ist.

Ein Statement, dass er jetzt den Tirreno gewinnen will, ist aus ihm dennoch nicht herauszulocken. „Mir liegt dieses Rennen“, ist das Höchste, was der Mann im Blauen Trikot sagt. Dabei hätte er vor zwei Jahren das „Rennen zwischen den Meeren“ beinahe schon einmal gewonnen. Auf der drittletzten Etappe, einem 26 Kilometer langen Zeitfahren, lag Gerdemann auf Podiumskurs, als er 1.800 Meter vor dem Ziel in einer Kurve ein Absperrgitter touchierte und schwer stürzte. Dabei zog er sich einen doppelten Beinbruch zu und fiel monatelang aus. Auch auf seinen Start bei der Tour de France musste der damalige Columbia-Profi verzichten, erst im August kurz vor der Deutschland Tour kehrte er wieder zurück - und gewann die bisher letzte Austragung seiner Heimatrundfahrt.

Live-Ticker