27.06.2010 | (sid/dpa/rsn) - Erlösung für Milram: Christian Knees ist neuer deutscher Straßenmeister und hat seinem Team im fünften Anlauf den ersten Titel beschert. Der 29-jährige Euskirchener setzte sich auf dem schwierigen Kurs durch Sangerhausen als Solist vor Steffen Radochla (Team Nutrixxion) und Andreas Schillinger (NetApp) durch. Zeitfahrmeister Tony Martin (HTC-Columbia) blieb der vierte Platz.
Knees streifte sich erstmals in seiner Karriere das Trikot mit dem schwarz-rot-goldenem Brustring über. Das Logo seines Milram-Rennstalls wird das erste und letzte Mal auf das begehrte Stück gedruckt werden. Der Sponsor Nordmilch zieht sich zum Ende des Jahres zurück, ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Milram war mit der Übermacht von 16 Fahrern in das Rennen gegangen und hatte taktisch alles richtig gemacht.
Die Entscheidung in dem wegen des WM-Achtelfinals zwischen Deutschland und England auf 194,8 Kilometer verkürzten Rennens fiel erst in der letzten der 20 Runden. Knees attackierte knapp neun Kilometer vor dem Ziel aus der dreiköpfigen Spitzengruppe heraus, die sich 20 Kilometer zuvor gebildet hatte. Radochla und Schillinger hatten dem Angriff nichts entgegenzusetzen und erreichten das Ziel mit 50 bzw. 51 Sekunden Rückstand.Das Trio hatte sich aus einer neunköpfigen Gruppe gelöst, in der auch Martin dabei war. Titelverteidiger Martin Reimer (Cervélo), Linus Gerdemann (Milram) und auch Jens Voigt (Saxo Bank) spielten in der entscheidenden Phase keine Rolle.
Das Rennen auf dem von Frauen-Bundestrainer Thomas Liese abgestecktem Kurs war lange Zeit von zahlreichen Attacken geprägt. Ex-Meister Fabian Wegmann (Milram), André Greipel (HTC-Columbia) und Gerdemann wagten Fluchtversuche, wurden aber vom Feld schnell wieder gestellt. Erst 60 Kilometer vor dem Ziel fiel eine erste Vorentscheidung. Eine neunköpfige Gruppe setzte sich ab und machte den Sieg unter sich aus.
Knees war nach seinem Erfolg fast zu Tränen und überwältigt. „Es geht ein Traum in Erfüllung - ich kann ein Jahr in diesem "Scheiss"- Trikot fahren. Ich war auf jeden Fall heute einer der stärksten, habe aber auch von unserer mannschaftlichen Überlegenheit profitiert“ jubelte der Allrounder, der Zieldurchfahrt auf den eintätowierten Namen seiner Tochter Fenja auf seinem Oberarm zeigte.