UCI will Urteil noch nicht kommentieren

Fall Contador: Ein salomonisches Urteil?


Alberto Contador droht eine Aberkennung des Tour-de-France-Siegs von 2010.

27.01.2011  |  Madrid (dpa/rsn) – Im Fall Contador will der Radsportweltverband UCI zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellungnahme abgeben. „Es ist festzuhalten, dass es lediglich eine `vorläufige Entscheidung` des Spanischen Verbandes zum Fall Contador gibt“, sagte der UCI-Sprecher Enrico Carpani. „Ein endgültiges Urteil des Verbandes wird uns noch zugehen und darauf warten wir, bevor wir uns äußern. Nach Eingang des offiziellen Urteils haben wir einen Monat Zeit zu prüfen, ob wir vor den CAS (Internationalen Sportgerichtshof, d. Red.) gehen.“

Der Spanische Radsportverband RFEC hatte am Mittwoch in einer vorläufigen Entscheidung eine einjährige Sperre gegen den dreifachen Toursieger angekündigt. Contador bleibt nun eine Frist von zehn Tagen, um dagegen Einspruch einzulegen. Erst danach will der der RFEC ein endgültiges Urteil fällen. Dieses wird für den 9. Februar erwartet.

Der 28-jährige Madrilene war am zweiten Ruhetag der letztjährigen Tour de France in Pau positiv auf das Asthmamittel Clenbuterol getestet worden. Contador führt den Befund auf den Genuss eines verunreinigten Steaks zurück und bestreitet Doping.

Die Madrider Zeitung „El Mundo“ befand, dass der spanische Verband eine „salomonische Entscheidung“ getroffen habe. „Contador ist ein bisschen schuldig und ein bisschen unschuldig“, schrieb das Blatt. Wie aus Verbandskreisen verlautete, geht der RFEC davon aus, dass man Contador aufgrund der minimalen Menge von Clenbuterol kein absichtliches Doping nachweisen könne. Deshalb plädierte der Verband dafür, die sonst bei Dopingfällen übliche Sperre von zwei Jahren auf die Hälfte zu verkürzen.

Selbst im Fall einer nur einjährigen Sperre könnte Contador aber nicht an der diesjährigen Tour de France teilnehmen. Dazu würde ihm der Sieg von 2010 aberkannt werden. Das war bei den drei großen Rundfahrten bisher erst zwei Fahrern passiert: Roberto Heras (Vuelta 2005) und Floyd Landis (Tour 2006). Sollte Contador sein Gelbes Trikot von 2010 abgeben müssen, würde der bisher zweitplatzierte Luxemburger Andy Schleck zum Toursieger erklärt.

Großer Verlierer der Entscheidung des Spanischen Verbandes ist neben dem nationalen Sportheros Contador vor allem dessen neuer Teamchef Bjarne Riis. Der dänische Toursieger von 1996, der elf Jahre nach seinem Sieg in Paris ebenfalls Doping eingestehen musste, hat seine ganze Strategie auf den prominenten Neueinkauf Contador ausgerichtet. Ohne sein Zugpferd für 2011 würde der Saxo Bank-Sungard-Teamchef mit praktisch leeren Händen dastehen. Deshalb dürfte der Däne fieberhaft auf der Suche nach einem halbwegs respektablen Ersatz sein. Erste Erklärungsversuche soll es am Freitag auf einer Pressekonferenz auf Mallorca geben.

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