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26.09.2011 - Kopenhagen (dpa/rsn) - André Greipel nannte seine Bronzemedaille ein „super Ergebnis“ - und dennoch schien der deutsche Kapitän der vergebenen Chance nachzutrauern, erstmals seit 45 Jahren wieder das Regenbogen-Trikot des Weltmeisters nach Deutschland zu holen.
In einem fulminanten WM-Finale in Rudersdal musste sich der Hürther dem weltbesten Sprinter Mark Cavendish aus Großbritannien und dem Australier Matthew Goss geschlagen geben. „Cavendish ist ein würdiger Weltmeister“, räumte der 29-jährige Greipel ein, ergänzte dann aber: „Ich hatte die Chance, Weltmeister zu werden, aber wir können glücklich sein mit dem dritten Platz.“
Auch im deutschen Team war man nach den furiosen und in höllischem Tempo absolvierten 266 Kilometern hoch zufrieden, dass es trotz Sturzpechs und Defekten zu Bronze reichte. „Das ist Weltklasse“, lobte etwa der erfahrene Danilo Hondo seinen Kapitän Greipel. „Wir haben Bronze gewonnen und nicht Gold verloren“, betonte der Sportliche Leiter der BDR-Equipe, Jan Schaffrath. „Unter diesen Umständen den dritten Platz zu erreichen, ist absolut super“, fand Tony Martin, der auf der 12. Runde 75 Kilometer vor dem Ziel durch einen Massensturz ebenso wie Christian Knees den Anschluss verlor und im Finale fehlte.
Mit seiner Goldfahrt von Kopenhagen unterstrich dagegen Cavendish eindrucksvoll seinen Ruf, derzeit der schnellste Sprinter der Welt zu sein. Zudem hatte der oft als Rüpel verschrieene Brite eine bärenstarke Mannschaft im Rücken. „Schade, dass nicht alle meine Jungs das WM-Trikot tragen können“, sagte Cavendish, der jetzt als Topfavorit in das olympische Straßenrennen 2012 in London geht. Zudem beendete Cavendish eine Durststrecke: Er ist der erste britische Weltmeister seit Tom Simpson (1965).
Die reinen Sprinter Cavendish und Greipel waren vor 250 000 Zuschauern auch von der ansteigenden Zielgeraden nicht geschockt. Sie ließen den Klassikerspezialisten wie Edvald Boasson Hagen und Philippe Gilbert keine Chance. Einzig der Schweizer Fabian Cancellara wurde Greipel gefährlich - nur Millimeter trennten die beiden auf der Ziellinie. „Aber ich wusste sofort, dass ich vorne lag“, sagte der Deutsche nach dem Herzschlagfinale, das im sich entgegen der Prognosen der meisten Experten als doch nicht zu schwer für die Sprinter erwies.
Greipel hatte die „Operation Gold“ bereits am Montag in Angriff genommen, als er wie die anderen Deutschen auch bereits nach Kopenhagen angereist war, um sich vorzubereiten. Im Rennen lief zunächst auch alles nach Plan. Die deutschen und die Briten arbeiteten hervorragend zusammen – Greipel: „Wir haben Verbündete gesucht und gefunden“ – und kontrollierten das Rennen. In der Verfolgung von Ausreißergruppen rieben sich in der ersten Rennhälfte die beiden Routiniers Bert Grabsch und Andreas Klier auf und machten das Versprechen wahr, alles für ihren Kapitän zu geben
In der 12. Runde wurden dann aber alle Pläne der Deutschen über den Haufen geworfen, als in Folge eines Massensturzes Tony Martin, Andreas Klier, Bert Grabsch und Christian Knees abgehängt wurden, „Da waren plötzlich vier Mann weg und wir mussten unsere Taktik ändern“, erklärte Greipel, dessen Team danach den Briten das Terrain überlassen musste. Cavendish hätte das gerne anders gesehen.
„Die Deutschen waren die einzige, die uns geholfen haben, alle anderen hatten kein Interesse daran“, so der Brite.
Trotzdem wurde Greipel im Finale von seinem erprobten Anfahrer Marcel Sieberg und Routinier Hondo in Szene gesetzt - John Degenkolb dagegen musste ausgerechnet kurz vor Schluss wegen eines Defekts vom Rad. „Es hätte in jeder Runde passieren können und ich wäre immer wieder an das Feld gekommen - nur nicht in der letzten!“, ärgerte sich der Erfurter, mit seinen 22 Jahren jüngster Fahrer im deutschen Team.
Durch die letzte Kurve kam Greipel an achter oder neunter Stelle, doch dann zog nach seinen Worten der australische Zug von rechts nach links, wodurch der gebürtige Rostocker rund zehn Positionen verlor. Cavendish dagegen nutzte 150 Meter vor dem Ziel die sich ihm bietende Lücke und zog unwiderstehlich an allen Konkurrenten vorbei, während sich Greipel in einem starken Schlusssprint noch auf Platz drei verbesserte.
Allzu gerne hätte der Tour-Etappensieger die Bemühungen seiner Teamkameraden mit Gold belohnt. „Es tut mir leid, dass ich es vermasselt habe“, meinte Greipel sehr selbstkritisch. Dabei hatte er dazu keinen Grund, denn mit seinem Bronzerang nach beeindruckender Leistung bescherte er dem Bund Deutscher Radfahrer BDR bereits die fünfte Medaille in Kopenhagen. So gut waren die Deutschen noch nie bei einer WM gewesen.