Radsport News Teamcheck

Lotto-Belisol: Macht Greipel Gilbert vergessen?

Von Christoph Adamietz


André Greipel bejubelt seinen zehnten Etappensieg bei der Tour Down Under. | Foto: ROTH

22.01.2012  |  (rsn) - Winterzeit ist Wechselzeit. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich auf dem Transfermarkt einiges getan. Um Sie zum bevorstehenden Saisonbeginn auf den aktuellsten Stand zu bringen, stellt Radsport News die 18 WorldTeams vor und beurteilt Stärken und Schwächen der einzelnen Mannschaften

Teil 10: Lotto-Belisol

Ausgerechnet ohne den zu BMC gewechselten Superstar Philippe Gilbert muss das neue belgische Lotto-Team auskommen. Somit fehlt dem Rennstall von Marc Sergeant der derzeit beste heimische Profi. Der wichtigste Fahrer ist in dieser Saison ein Deutscher - André Greipel. Dass der Sprinter mit der größeren Verantwortung bestens zurechtkommt, hat er gerade bei der Tour Down Under bewiesen: Zum Saisonauftakt in Australien fuhr Greipel gleich drei Etappensiege gegen erstklassige Konkurrenz heraus.

Kommen und Gehen: Der Abgang von Gilbert dürfte kaum zu kompensieren sein. Der Belgier war in der vergangenen Saison mit 18 Siegen der erfolgreichste Fahrer im Peloton und hinterlässt naturgemäß eine riesige Lücke. Mit dem britischen Sprinter Adam Blythe und dem Belgier Klaas Lodewyck nahm Gilbert auch noch zwei Teamkollegen mit zu BMC. Ebenfalls einen schmerzhaften Verlust stellt der Abgang von Jan Bakelants (zu RadioShack-Nissan) dar. Zudem werden die Routiniers Sebastian Lang und Mario Aerts fehlen, die beide ihre Karriere beendeten. Insgesamt haben zehn Fahrer das Team verlassen, zwölf neue kamen dazu.

Gleichwertiger Ersatz für Gilbert konnte allerdings nicht verpflichtet werden. Dafür wurde der Sprintzug für André Greipel deutlich verstärkt. Vor allem der Neuseeländer Greg Henderson (von Sky), aber auch der Lars Bak (von HTC-Highroad) werden eminent wichtige Rollen spielen. Die beiden können aber auch selbst Ergebnisse einfahren. In den Eintagesrennen soll der belgische Vizemeister Gianni Meersman (von FDJ) für Erfolge sorgen. Bei kleineren Rundfahrten hat der Niederländer Joost van Leijen (von Vacansoleil-DCM) seine Stärken, auch der Iraner Mahdi Sohrabi (Tabriz) ist schon als Rundfahrer in Erscheinung getreten.

Die Sprintabteilung verstärken soll der Belgier Jonas Vangenechten (von Wallonie Bruxelles). Die Neo-Profis Brian Bulgac (Niederlande), Tosh van der Sande, Dennis Vanendert sowie Sander Cordeel (Mercury) und Gaetan Billes (Wallonie Bruxelles/ alle Belgien) sollen vor allem Erfahrungen sammeln und werden sich in den Dienst der Mannschaft stellen.

Die Kapitäne: Im Sprint ist André Greipel der unumstrittene Kapitän. Der Hürther, der nach dem Abgang von Gilbert mit deutlich mehr Freiheiten ausgestattet sein wird, zeigte bereits zum Saisonauftakt in Australien, dass auch 2012 wieder mit ihm zu rechnen sein wird. In den - großen - Rundfahrten vertraut Sergeant auf den Belgier Jurgen Van den Broeck, 2010 Vierter der Tour. In den Ardennen-Klassikern und bergigen Rundfahrten wird sein Landsmann Jelle Vanendert eine prominente Rolle spielen. Im Vorjahr noch Edelhelfer von Gilbert, wird der 26-jährige Gewinner der Bergwertung der Tour 2011 viel öfter auf eigene Rechnung fahren können. In den kleineren Rundfahrten können auch van Leijen und Bak Akzente setzen, gespannt sein darf man auf den Iraner Sohrabi, der 2011 in der Asien-Tour drei Rundfahrten gewann. In den flämischen Klassikern setzt Teamchef Marc Sergeant auf den Belgier Jurgen Roelandts, aber auch auf Greipels besten Freund Marcel Sieberg und Bak.

Der Geheimtipp: Mit 30 Jahren unterschrieb Mahdi Sohrabi erstmals einen großen Vertrag. Für sein Tabriz-Team fuhr der Rundfahrt-Spezialist in der Vergangenheit zahlreiche Siege ein. 2011 gelangen ihm Gesamterfolge bei der Kerman-Tour (Kat. 2.2), der Jelaja Malaysia (Kat. 2.2) sowie der Aserbaidschan-Rundfahrt (Kat. 2.2), alles Rennen der Asien-Tour mit allerdings nicht sehr starker Besetzung. Bei Lotto-Belisol wird der Neuzugang viele Freiheiten bekommen, um zu zeigen, dass er auch in den europäischen Rundfahrten ganz vorne mitmischen kann.

Stärken und Schwächen: Mit der Verstärkung des Sprintzugs für Greipel befindet sich Lotto-Belisol mindestens auf Augenhöhe mit den anderen Sprinter-Teams wie Sky, Lampre-ISD, GreenEdge oder Garmin-Barracuda. Der 29 Jahre alte Deutsche ist einer der besten Sprinter der Welt und wird 2012 für viele Siege sorgen. Für die Rundfahrten, die flämischen Klassiker und die bergigen Eintagesrennen kann das Team auf Van den Broeck, Roelandts und Vanendert bauen, dahinter klafft aber eine große Lücke. Sicher werden nach dem Abschied von Gilbert vor allem die jungen Fahrer ihre neu gewonnenen Freiheiten nutzen wollen.

Prognose: Auf dem Papier ist das Team deutlich schwächer besetzt als 2011. Allerdings sollte man daraus nicht voreilige Schlüsse ziehen. Auch wenn Greipel für den Großteil der Erfolge verantwortlich sein wird, kann man auch von Roelandts, Vanendert und Van den Broeck einiges erwarten.

Lotto-Belisol 2012: Gaetan Bille, Sander Cordeel, Bart de Clerq, Francis De Greef, Jens Debuschere, Kenny de Haes, Gert Dockx, Olivier Kaisen, Gianni Meersman, Maarten Neyens, Frederique Robert, Jurgen Roelandts, Jurgen van de Walle, Jurgen van den Broeck, Tosh van der Sande, Dennis Vanendert, Jelle Vanendert, Jonas Vangenechten, Frederik Willems (alle Belgien), André Greipel, Marcel Sieberg (beide Deutschland), Brian Bulgac, Joost van Leijen (beide Niederlande), Lars Bak (Dänemark), Adam Hansen (Australien), Greg Henderson (Neuseeland), Vicente Reynes (Spanien), Mahdi Sohrabi (Iran)

Zugänge: Joost van Leijen (Vacansoleil), Frederique Robert (QuickStep), Lars Bak (HTC Highroad), Greg Henderson (Sky), Gianni Meersman (FDJeux), Mahdi Sohrabi (Tabriz), Sander Cordeel (Colba Mercury), Jonas Vangenechten, Gaetan Billes (beide Wallonie Bruxelle), Brian Bulgac, Tosh van der Sande, Dennis Vanendert (alle Neo-Profi)

Abgänge: Philippe Gilbert, Adam Blythe, Klaas Lodewyck (alle BMC), David Boucher, Jussi Veikkanen (beide Fdjeux), Jan Bakelants (Radioshack-Nissan), Sven Vandousselaere (Topsport Vlaanderen), Mario Aerts, Sebastian Lang (beide Karriereende), Oscar Pujol (Zukunft unbekannt)

 
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