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27.04.2012 - Berlin (dpa/rsn) - Horror-Crash am 11. April - "Wunderheilung" 20 Tage später: Tony Martin startet trotz schwerer Gesichtsverletzungen am 1. Mai beim hessischen Klassiker Rund um Eschborn-Frankfurt. "Er wollte unbedingt zurück", sagte sein Manager Jörg Werner.
Weiches Toastbrot und Milchreis bestimmen im Moment den Speiseplan des Zeitfahrweltmeisters. "Das Essen fällt schon noch ein bisschen schwer", sagte Martin, dessen Genesung fast einem Wunder gleicht - Martin nennt sie auf seiner Homepage "erstaunlich und bemerkenswert. Meine Verletzungen heilen derart gut, dass es keine medizinischen Bedenken gibt, mich wieder auf meine Kollegen loszulassen. Ich bin froh, dass ich so schnell wieder zurückkommen und mich auf die Höhepunkte der Saison vorbereiten kann."
Die Aufzählung der Verletzungen las sich am 11. April, als wäre der Omega Pharma-QuickSep-Profi mit den Klitschko-Brüdern hart aneinandergeraten: Teilbruch der Augenhöhle, Jochbeinbruch, Kiefer angebrochen, Riss im Schulterblatt. Aber kein Boxer war Schuld an Martins Blessuren, sondern eine alte Dame. Eine 70-jährige Autofahrerin nahm den Deutschen unweit von dessen Wohnsitz in Kreuzlingen am Bodensee mit ihrem PKW die Vorfahrt. Martin flog durch die Windschutzscheibe und fühlte sich "wie aus einem Traum aufgewacht", als er auf dem Asphalt liegend in die Gesichter seiner Retter schaute.
Die nächste Etappe des Leidenweges der großen deutschen Olympia-Hoffnung war die Intensivstation im Krankenhaus. Seine Freundin und seine Mutter wachten am Krankenbett. "Damals dachten wir nicht an eine möglichst schnelle Rückkehr in den Sattel - da hatten wir andere Sorgen", sagte Werner der Nachrichtenagentur dpa.
Aber schon zwei Tage nach der Entlassung aus dem Spital setzte sich Martin zum Training wieder auf die Rolle, kurz danach drehte er die ersten vorsichtigen Runden auf der Straße. "Zuletzt waren es schon fünf Stunden", berichtete Werner. "Er wollte unbedingt zurück, er hat einen eisernen Willen."
Martin, schon mehrmals im Training aus Übereifer über das Ziel hinausgeschossen, hat Angst, dass ihm die Zeit im Hinblick auf seine Ziele Tour de France und Olympia in London davonläuft. Sein Berater und Ex-Teamchef Rolf Aldag sieht in der Zwangspause, ähnlich wie beim verletzten Konkurrenten Fabian Cancellara, auch Chancen: "Wenn sie wieder anfangen, sind sie körperlich und mental ausgeruht."
In den nächsten Tagen will Martin, dem in dieser Saison noch ein Sieg zur Festigung des Selbstvertrauens fehlt, mit seinem belgischen Pharma-Quick-Step-Team den kommenden Fahrplan festlegen. Die Dauphiné vom 3. bis 10. Juni steht als Tour-Generalprobe weiter in seinem Terminkalender.