Profi-Radsport

Wegen Verwicklung in Fall Armstrong

Tour-Aus für Bruyneel?

Foto vergrößern15.06.2012 - Berlin (dpa/rsn) – Johan Bruyneel droht wegen der Verstrickungen in den Dopingfall Armstrong das Tour-Aus. Laut dem Luxemburger Tageblatt, das sich wiederum auf ungenannte Medienberichte stützt, ziehe der Tour-Organisator ASO sogar ein Startverbot für das Bryuneels RadioShack-Nissan-Team in Betracht. Die Twitter-Kanäle sind stumm, der Beschuldigte selbst sagt nichts, und die Mitglieder des Teams halten sich bedeckt.

Nach den schweren Doping-Anschuldigungen gegen Lance Armstrong steht sein früherer Mentor und jetzige RadioShack-Nissan-Teamchef Bruyneel im Zentrum der Vorwürfe von Jahre lang organisiertem Doping. Sein Auftritt bei der am 30. Juni in Lüttich startenden Tour de France ist höchst ungewiss.

„Ich hoffe, die Fahrer, die damit nichts zu tun haben, müssen das jetzt nicht ausbaden“, sagte RadioShack-Routinier Jens Voigt der Deutschen Presse-Agentur dpa. In Frankreich wird ein Tour-Ausschluss des gesamten Teams diskutiert. Bjarne Riis war nach seinem Doping-Geständnis 2007 bei der Tour unerwünscht, im Jahr darauf war er allerdings schon wieder dabei.

„Ich will mich dazu nicht äußern. Ich habe sechs Kinder, ein Haus und einen Hund - ich habe andere Probleme“, sagte der altgediente Profi aus Berlin zum Thema Bruyneel. Unabhängig von der aktuellen Lage geht Voigt selbst „erst zu 80 Prozent“ davon aus, zum 15. Mal beid er Tour dabei zu sein, obwohl er zu Jahresbeginn feste Zusagen erhalten hatte. Bruyneel, der die Absage seines verletzten Kapitäns Andy Schleck verkraften musste, will das Tour-Team erst zum letztmöglichen Zeitpunkt benennen.

Der 47-jährige Belgier, der Armstrong und den noch bis August gesperrten Alberto Contador zu zusammen neun Toursiegen führte, ist seit Jahren höchst umstritten. Bei Zeugenaussagen im Fall Armstrong tauchte sein Name im Zusammenhang mit organisiertem Doping immer wieder auf. Die USADA droht Bruyneel mit lebenslanger Sperre, der Weltverband UCI forderte ihn zu einer Stellungnahme auf.

Sollte RadioShack-Nisaan in Lüttich am Start stehen, Bruyneel aber zu Hause bleiben müssen, könnte Kim Andersen als Teamchef einspringen. Den meisten Fahrern um den potenziellen neuen Tour-Kapitän Frank Schleck wäre das wohl ohnehin lieber. Dass der Däne der erste Aktive war, der wegen Dopings lebenslang gesperrt wurde, ist längst vergeben.

Mit der Fusion der Superteams Leopard-Trek und RadioShack wurde Bruyneel Teammanager des neuen Rennstalls. Aber trotz großer Namen und rund 15 Millionen Euro pro Saison vom Luxemburger Immobilien-Magnaten Flavio Becca blieben die Erfolge aus. Die Tour sollte alles rausreißen. Jetzt ginge es laut Voigt im Angesicht der großen Favoriten Bradley Wiggins (Sky) und Cadel Evans (BMC) um’s Podium und Etappensiege: „Wir haben keinen Killer-Kapitän.“

Die „L`Équipe“ berichtete bereits von telefonischen Kontakten der Schleck-Brüder mit anderen Teams für die kommende Saison. Andere Gerüchte besagen, die Schlecks, Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara und Voigt stünden für nächstes Jahr kollektiv zum Absprung bereit. „Davon weiß ich nichts“, sagte Voigt.

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1. Etappe

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