Profi-Radsport

Harmonie im Lotto-Team als Erfolgsrezept

Gorilla Greipel: Guter Sprinter, feiner Kerl

Foto vergrößern06.07.2012 - Épernay (dpa) - Neben Muskelkraft und Entschlossenheit setzt Sprinter André Greipel bei der Tour 2012 vor allem auf seine Freunde - die Teamkollegen von Lotto Belisol. Für den neben der Strecke eher ruhigen Rostocker sind Harmonie und Kameradschaft entscheidend.

Auf seinen originellen Online-Postkarten ist vom brachialen Sprint-"Gorilla" nicht viel zu sehen. Einmal scherzt Greipel mit seinem Kumpel Marcel Sieberg im Regenerationsbecken, ein anderes Mal posiert er - auf der Twitter-Seite seines Teamkollegen Adam Hansen zu sehen - vor dem EM-Spiel der deutschen Fußballer in alberner Fan-Kluft. Das Postkarten-Motto "9 Freunde in Frankreich" ist zugleich das Erfolgsrezept des besten deutschen Sprinters bei der diesjährigen Tour de France. "Er braucht diese familiäre Atmosphäre, er hängt sehr an der Mannschaft", erklärte Teammanager Marc Sergeant.

Im Kampf Mann gegen Mann auf den letzten Metern einer Etappe kennt Greipel kein Pardon, er kämpft er um jeden Zentimeter. Kurz vor der Ziellinie ist das Gesicht des Rostockers ein Spiegelbild an Wille und Entschlossenheit, als wolle er alles und jeden um ihn herum verschlingen. Im Erfolgsfall wird aus Greipel aber schon Sekunden nach dem Kraftakt wieder der Teamplayer, der alle Helfer innig drückt und sich vor allem für die Mannschaft freut.

"Jeder opfert sich für den anderen", beschreibt Sieberg die Chemie in der belgischen Equipe. Das spürt Greipel, dem der selbstlose Einsatz seiner Helfer in der Sprintvorbereitung eine Portion Extra-Motivation entlockt. "Ihr seid wunderbare Jungs", twitterte der 29-Jährige, nachdem er auf der 4. Etappe erstmals den linken Arm zum Jubel in die Höhe reißen konnte. Auf diesem sind die Namen seiner Töchter Anna und Luna tätowiert.

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Die Stimmung bei Lotto Belisol ist nach den Erfolgen des Kapitäns entsprechend heiter und ausgelassen. Im Gegensatz zu den Stimmungskanonen ist Greipel aber eher der zurückhaltende Typ. "Ich quatsche die ganze Zeit und André ist eben ein bisschen ruhiger", berichtet Zimmerkollege Sieberg, "aber auch er hat manchmal ein paar Witze auf Lager."

Die Mannschaftsleitung ist voll des Lobes für Greipel. "Er ist nicht nur ein guter Sprinter, sondern ein richtig feiner Kerl", betont Marc Wouter. Frei nach dem Motto "Harte Schale, weicher Kern" ergänzt Manager Sergeant: "André sieht zwar aus wie ein Bodybuilder, aber er ist ein sehr lieber Mensch."

Seit vorigem Jahr ist Greipel entspannter geworden, auch im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Medien. Litt er in den Jahren bei HTC-Highroad noch darunter, trotz vieler Siege stets im Schatten des damaligen Teamkollegen Mark Cavendish zu stehen, so emanzipierte er sich spätestens bei seiner Tour-Premiere 2011 in Carmaux von dem extrovertierten Briten.

Greipels letztes großes Ziel bei der 99. Tour der France ist der finale Sprint auf den Champs-Élysées in Paris am 22. Juli. Da will dann auch seine Frau Kristina dabei sein.

 
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