Profi-Radsport

Tour: Brite baut mit Zeitfahrsieg Gesamtführung aus

Wiggins düpiert die Konkurrenz

Foto vergrößern09.07.2012 - Besancon (dpa/rsn) - Gegen die geballte Sky-Power von Bradley Wiggins hätte Tony Martin (Omega Pharma-QuickStep) an diesem Nachmittag auch ohne Pannenpech wohl nichts ausrichten können. Der 32 Jahre alte Brite düpierte im ersten schweren Einzelzeitfahren der Tour de France die gesamte Konkurrenz.

Den verletzten deutschen Weltmeister erwischte es besonders schlimm. Schon im ersten Abschnitt des 41,5 Kilometer langen Teilstücks nach Besancon musste Martin nach einem geplatzten Hinterrad seine Maschine wechseln und war damit chancenlos. Stunden später zeigte der Träger des Gelben Trikots eine Ausnahmeleistung und verwies seinen erneut starken Teamkollegen Christopher Froome sowie Prologsieger Fabian Cancellara (RadioShack-Nissan) auf die Plätze.

„Das war brillant“, meinte ein sichtlich zufriedener Wiggins in fließendem Französisch. „Auf diesem schwierigen Kurs kam mir meine zehnjährige Erfahrung auf der Bahn entgegen. Ich fand sofort die richtige Position auf dem Rad“, erklärte der dreifache Bahn-Olympiasieger. Seinem ärgsten Rivalen Cadel Evans (BMC) verpasste er einen gewaltigen Dämpfer: Der Titelverteidiger kassierte einen Rückstand von 1:43 Minuten und liegt in der Gesamtwertung nun fast zwei Minuten hinter Wiggins. Sogar Cancellara verlor am Montag nicht weniger als 57 Sekunden auf den Sieger.

„Jetzt konzentriere ich mich weiter auf das Match gegen Evans und Nibali. London ist erst nach der Tour ein Thema für mich“, sagte Wiggins, der seinen ersten Tour-Etappensieg überhaupt gefeiert hatte. „Bei mir dreht sich alles nur um die Gesamtwertung“, meinte der Mann mit den markanten Koteletten fast schon entschuldigend. „Der Sieg im Einzelzeitfahren ist für mich aber ein Bonus.“

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Die überragende Vorstellung der Sky-Mannschaft komplettierte der 27-jährige Froome. „Wir hätte nicht mehr erwarten können“, jubelte Wiggins’ Edelhelfer. „Das war ein Superrennen für unser Team und zeigt, wie stark wir sind.“ Froome hatte erst am Samstag die schwere erste Bergetappe in den Vogesen vor Evans und Wiggins gewonnen.

„Ich habe nicht mein bestes Zeitfahren absolviert, aber sicher auch nicht mein schlechtestes. Im Vergleich mit anderen Zeitfahrern wie Fabian Cancellara und Tony Martin war ich nicht so weit entfernt. Aber Sky hatte heute zwei sehr, sehr starke Fahrer", kommentierte Evans seinen sechsten Platz in Besancon. Die Hoffnung auf die Titelverteidigung hat der Australier noch nicht aufgegeben. „Wir schauen uns die Situation von Tag zu Tag an und natürlich geben wir nicht auf, das ist sicher. Es kommen noch viele Renntage bis zur Ankunft in Paris."

Für Tony Martin war an einen Tagessieg dagegen nicht zu denken. Zwar kam er mit seiner gebrochenen linken Hand heil über den anspruchsvollen Parcours, nach der Reifenpanne ging es aber nur noch um Schadensbegrenzung. Vor der Tour und seinen Rückschlägen galt er noch als Favorit für das Zeitfahren - in Besancon war er mit 2:16 Minuten Rückstand noch nicht einmal der beste Deutsche. Der zuletzt schwächelnde Andreas Klöden (RadioShack-Nissan) wurde mit 2:09 Minuten Rückstand Zehnter.

Wahrscheinlich wird Martin noch am Dienstag die Heimreise antreten, um sich speziell auf das Olympia-Zeitfahren in London vorzubereiten. „Es wäre besser, er macht Schluss“, riet ihm Teamarzt Helge Riepenhof vor dem ersten Ruhetag bei dieser Tour am Dienstag.

Offen ist auch, wie lange Cancellara noch bei der diesjährigen Tour im Rennen bleibt. Ins einer Spezialdisziplin musste sichd er vierfache weltmeister dem überragenden Sky-Duo geschlagen geben und konnte sich mit ganzen neun Sekunden Vorsprung auf den jungen Tejay van Garderen (BMC) den letzten freien Poidumsplatz sichern. „Ich habe noch die gestrige Etappe in den Beinen gespürt. Ich habe nicht auf die anderen Fahrer geachtet, sondern mich nur auf mein eigenes Rennen konzentriert. Ich bin zufrieden mit meiner Vorstellung und das ist das wichtigste für uns - alles zu geben, was wir haben", bilanzierte der 31 Jahre alte Schweizer.

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