Doping

Hamilton: Auch Fußballer und Tennisspieler bei Fuentes


Tyler Hamilton | Foto: ROTH

25.11.2012  |  Mainz (dpa) - Radprofis fühlen sich schon lange zu Unrecht alleine an den Doping-Pranger gestellt. Dabei häufen sich die Hinweise, dass beispielsweise in der Affäre um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes auch andere Spitzensportler verwickelt sind.

"Tennis und Fußball hat er auch erwähnt", antwortete etwa Tyler Hamilton im ZDF-Sportstudio auf die Frage nach weiteren Fuentes-Kunden und gab damit bereits seit Jahren kursierenden Vermutungen wieder Nahrung. Der Gynäkologe aus Madrid steht mit weiteren Angeklagten von Januar an in Spanien im Zusammenhang mit der Operacion Puerto vor Gericht.

Vor dem Start der Tour de France 2006 war die berüchtigte "Fuentes-Liste" mit 200 Namen bekannt geworden. Über 50 Radprofis waren namentlich genannt und zum Teil auch gesperrt worden, darunter ihnen Jan Ullrich, Ivan Basso, Alejandro Valverde, Michele Scarponi und Jörg Jaksche. "Wer sind die anderen? Warum unternimmt die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nichts, obwohl ihnen doch die Fuentes-Liste seit 2006 auch vorlag?", fragte zuletzt Lampre-Profi Danilo Hondo, der in der nächsten Saison für RadioShack-Nissan fährt, in einem dpa-Gespräch. Diese Fragen stellen sich nicht nur Radsportler.

Er habe nicht nur Radprofis behandelt, beziehungsweise beraten, hatte Fuentes im Juli 2006 dem spanischen Radiosender SER erklärt. Er habe auch Vereine der ersten und zweiten spanischen Fußball-Liga betreut oder Behandlungen vorgeschlagen, die deren Leistung gesteigert hätten. Offizielle Ermittlungen in diese Richtung gab es nicht.

Lance Armstrongs früherer Team-Kollege Hamilton hatte im Vorjahr mit seinen Aussagen und seiner Buch-Veröffentlichung zur Entzauberung des inzwischen als Doper überführten ehemaligen Seriensiegers beigetragen. Nach langem Leugnen hatte 2011 auch Hamilton Doping gestanden und seine Zeitfahr-Goldmedaille der Olympischen Spiele von Athen zurückgegeben. Der 41 Jahre US-Amerikaner, ebenfalls einer aus der Fuentes-Kundschaft, war nach positiven Analysen 2005 für zwei und 2009 für acht Jahre gesperrt worden. Seine "Doping-Karriere" habe 1997 begonnen, schrieb Hamilton in seiner jüngst auch in Deutschland veröffentlichten Auto-Biografie (unsere Rezension unter dem Link hier unten).

Zu seiner aktiven Zeit hätten "mindestens 80 Prozent" der Radprofis gedopt, und es wäre nicht möglich gewesen, sauber unter die ersten Zehn bei der Tour de France zu fahren, erklärte Hamilton. "Ich jedenfalls hätte es nicht gekonnt; von Jan weiß ich das nicht", meinte der Kronzeuge über den ewigen Armstrong-Rivalen Jan Ullrich, der die Tour 1997 gewonnen hatte, danach dreimal knapp am Texaner gescheitert war und jeweils Platz zwei belegte.

Der 2007 zurückgetretene Wahlschweizer ist nach einem Urteil des Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen nachgewiesener Zusammenarbeit mit Fuentes bis nächstes Jahr gesperrt. Sein lebenslang gesperrter Dauer-Kontrahent Armstrong, dem vom Weltverband UCI alle sieben Toursiege aberkannt wurden, würde nach Hamiltons Einschätzung "lieber sterben als etwas zuzugeben". Trotzdem hoffe er, dass Armstrong "mit der Wahrheit noch raus kommt".

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