Profi-Radsport

Giro-Premiere für Ullrich

29.04.2001 -

Berlin/Merdingen (dpa) - Jan Ullrich nimmt zum ersten Mal den Giro d`Italia ins Visier und Lance Armstrong fährt schon fast in Tour- Form. Die Frankreich-Spezialisten aus Merdingen und Texas nehmen verschiedene Wege zum Saisonhöhepunkt ab 7. Juli.

«Armstrongs zweiter Platz beim Amstel Gold Race mit einer Super-Leistung auf den letzten 40 Kilometern wird Jan, hoffe ich, irgendwo motivieren. Auch, wenn er es vielleicht nicht zugeben würde. Allerdings war Bjarne Riis 1997 bei seinem Amstel-Sieg ähnlich souverän und gewann anschließend nicht die Tour», gab Telekom-Teamchef Rudy Pevenage zu bedenken.

Ullrich meldete via «Bild am Sonntag» Vollzug. Seit mehreren Wochen war zu mehr als 90 Prozent klar, dass der Toursieger von 1997 Mitglied des Telekom-Teams sein wird, das zum ersten Mal nach 1995 wieder an den Giro-Start geht. Der im Vergleich zu den Vorjahren entschärfte 3 572 km lange Kurs durch Italien (19. Mai - 10. Juni) soll Ullrich ausschließlich zum Einrollen für die Tour de France (7. bis 29. Juli) dienen.

«Eine bessere Vorbereitung gibt es nicht. Er soll auf jeden Fall durchfahren», meinte Pevenage, der damit ein anderes Rezept empfiehlt als im Olympiajahr. Vor Sydney hatte der spätere Olympiasieger Ullrich die Vuelta im letzten Drittel abgebrochen, um Kräfte zu sparen. «Auf den Bergetappen des Giro kann er sich das Vertrauen für die Tour holen», hofft Pevenage.

«Es hat nach Jans Ausstieg aus der Lombardischen Woche ein Gespräch mit Pevenage, Teamarzt Heinrich und seinem Heimtrainer Becker gegeben. Dabei fiel die Entscheidung», erklärte Teamsprecher Olaf Ludwig. «So, wie es dargestellt wurde, dass der Giro für mich lange beschlossene Sache sei, war es nicht. Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Beim Giro kann ich drei Wochen täglich rund 200 Kilometer unter Wettkampfbedingungen in aller Ruhe arbeiten. Das ist eine optimale Tour-Vorbereitung. In Frankreich möchte ich wieder um den Sieg mitfahren. Letztes Jahr habe ich meine Topform vielleicht zehn Tage zu spät erreicht», sagte Ullrich der «Bild am Sonntag».

Für den Giro musste Ullrich schweren Herzens und gegen stichhaltige Überredungskünste die Deutschland-Tour (29. Mai bis 4. Juni) opfern. «Es ist mir, vor allem wegen der vielen, treuen Fans in Deutschland sehr, sehr schwer gefallen. Aber letztlich haben mich die sportlichen Argumente überzeugt», sagte Ullrich am Samstagabend. Anstatt Kurz-Urlaub im Mai muss der immer noch um die Hüften etwas rundliche Ullrich kräftig in die Pedale treten: Bis zum Giro-Start noch in Frankfurt (1. Mai), beim Grand Prix Gippingen (6. Mai) und bei der Tour de Romandie (8.-13. Mai).

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