Profi-Radsport

Zabel will in Frankfurt Revanche für Maastricht

29.04.2001 -

Maastricht/Frankfurt (dpa) - Die Weltcup-Verteidigung liegt für Erik Zabel außer Reichweite. Nach seiner erneuten Pleite am Samstag beim 36. Amstel Gold Race, das Erik Dekker vor einem bereits bestens aufgelegten Lance Armstrong gewann, will sich der Telekom-Kapitän bei «Rund um den Henninger Turm» in Frankfurt/Main schadlos halten.

«Ich werde alles dran setzen, meinen Sieg von 1999 zu wiederholen», sagte Zabel, nachdem er beim fünften Weltcup-Rennen in den Niederlanden wie bei den drei vorangegangenen bei der Punktverteilung wieder leer ausgegangen war. Im Vorjahr hatte sich der Berliner in Maastricht noch als Sieger feiern lassen.

Vor dem nächsten Wertungsrennen am 12. August in San Sebastian rangiert Dekker mit 199 Punkten an der Spitze. Der Cup-Verteidiger und vierfache Gewinner von Mailand-San Remo, der am Samstag nach einem Defekt ohne Aussichten auf Anschluss an die Spitze 50 km vor dem Ziel ausstieg, fiel mit 100 Punkten auf den sechsten Platz. Das Telekom-Begleitfahrzeug mit Ersatzrädern war auf den schmalen Straßen für Zabel nicht rechtzeitig zur Stelle.

Damit gerät Telekom vor der 40. Austragung der 206 km langen Schleife durch den Taunus am 1. Mai, an dem sich auch Jan Ullrich zum zweiten Mal in dieser Saison den deutschen Fans präsentieren wird, gehörig unter Druck. «Alle schauen jetzt auf Telekom. Das wird sicher doppelt schwer für uns, zumal auch die nationale Konkurrenz gegen uns fahren wird», prophezeite Teamsprecher Olaf Ludwig, der am Henninger Turm fünf Jahre vor Zabel gewann.

Abgesehen vom Ausgang des deutschen Klassikers in Frankfurt, der nur ein Mal Weltcup-Status genoss, wird Ullrich im Mittelpunkt des Interesses stehen. Der 27-jährige Olympiasieger, der am Samstag die Entscheidung für seine Giro-Premiere bekannt gab, muss sich den aktuellen Vergleich mit Armstrong gefallen lassen. Der zweifache Tour-Sieger machte 70 Tage vor dem Start der Frankreich-Rundfahrt bei seiner diesjährigen Weltcup-Premiere beim Amstel Gold Race eine blendende Figur. Der 29-jährige Texaner, im Juli wahrscheinlich Ullrichs Hauptkonkurrent in Frankreich, hatte 42 km vor dem Ziel eine Attacke geritten.

Nach wilder Verfolgungsjagd stieß Dekker, im Vorjahr dreifacher Etappensieger bei der Tour, hinzu. Vor dem Zielstrich machten die beiden Ausreißer wie Bahnfahrer fast Stehversuche, um nicht zu früh in die ungünstigere erste Sprint-Position zu kommen. Dann trat aber Dekker von vorn an und ließ Armstrong auf den letzten 200 Metern unter dem Jubel «seiner» Zuschauer keine Chance.

Zabel muss in Frankfurt, wo Dietrich Thurau als Rennleiter durch Rudi Altig ersetzt wurde, nachdem «Didi» die Spitzengruppe um den späteren Sieger Kai Hundertmarck im Vorjahr im Final falsch geleitet hatte, auf Steffen Wesemann als Helfer verzichten. Er geht mit Knieproblemen schon vorzeitig in die Mai-Pause. Teamchef Rudy Pevenage, der an der eigenen Pleiten-, Pech- und Pannen-Serie der letzten vier Weltcup-Rennen fast verzweifelte, rechnet beim prominent besetzten «Heimspiel» in Frankfurt mit besonderer Motivation seiner Mannschaft: «Da können sie zehn Prozent mehr bringen.»

Aber der Belgier ist auch Realist: «Erik hat natürlich nicht mehr die Form von San Remo. Das geht auch gar nicht. Aber er hat eine große Chance, wieder zu gewinnen. Aber auch Jens Heppner, schon zwei Mal Zweiter in Frankfurt, und andere aus unserem Team können ganz vorne landen.» Das kleine Jubiläum in der Main-Metropole ist so stark besetzt wie ein Weltcup-Rennen. Telekom, Rabobank (Dekker, Boogerd), Mapei (Bartoli) und Domo (Vainsteins, Museeuw) werden die größten Siegchancen eingeräumt.

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