Alte Geschichten stören Ullrichs Neuanfang

20.01.2002  | 

Doha (dpa) - Den Neuanfang stören alte Geschichten. Am Persischen Golf betritt Jan Ullrich bei der Premiere der Katar-Rundfahrt über insgesamt 675 Kilometer Neuland. Der früheste Saisonstart in seiner Karriere wurde am Wochenende von Doping-Verdächtigungen überschattet.

Italienische und belgische Zeitungen zitierten aus angeblichen Justiz-Protokollen der gerade in Florenz angelaufenen Anhörungen zu den Ergebnissen der spektakulären Doping- Razzia beim Giro d`Italia im Juni 2001. In Ullrichs Hotelzimmer in San Remo sollen nicht nur - wie bekannt - Kortikoide gefunden worden sein, womit er sein Asthma-Leiden bekämpfen durfte, sondern auch Anabolika. Insgesamt 13 Präparate, von denen sechs gegen Doping-Bestimmungen verstoßen, hätten die Ermittler konfisziert.

Nachdem Telekom-Teamarzt Lothar Heinrich mit Ullrich und der Mannschaft die beschwerliche Anreise via London mit fünfstündiger Verspätung überstanden hatte, stellte sich der Mediziner aus Freiburg vor Ullrich, der sich in Doha erst ein Mal ins Bett gelegt hatte. «Bei Jan wurden hundertprozentig keine Anabolika gefunden. Das ist blanker Unsinn. Es wurden, wie wir immer gesagt haben, nur Medikamente sicher gestellt, die gestattet waren, beziehungsweise deren Einnahme durch ein ärztliches Attest erlaubt ist. Bei den angeblichen Anabolika-Vorwürfen kann es sich nur um einen Übersetzungsfehler bei der Analyse-Auswertung handeln», sagte Heinrich, beim Giro auch an Ullrichs Seite.

Der Arzt und Trainings-Analytiker ist der italienischen Justiz neben weiteren Telekom-Mitgliedern selbst aufgefallen. Carabinieri fanden bei ihm Coffein-Tabletten, die er nach eigenem Bekunden zum Eigenbedarf nutzte. Ein Jet-Lag nach der Rückkehr aus den USA hätte ihm zugesetzt. Heinrich rechnet unter Umständen mit einer Vorladung nach Florenz: «Ein Anwalt in Italien ist mit der Sache betraut.» Bei Profi Alberto Elli (Italien), der beim Giro noch in Telekom-Diensten stand, sollen in gebrauchten Spritzen Reste von Wachstums-Hormonen gefunden worden sein. Etwa 90 Personen - Fahrer, Manager, Ärzte, Betreuer - gilt das besondere Interesse der Staatsanwaltschaft in Florenz. Für die Anhörungen ist ein Monat veranschlagt.

Am Sonntag drehten Ullrich und weitere Katar-Starter des Bonner Teams die ersten Trainingsrunden, nachdem die Räder mit mehrstündiger Verspätung in Doha eingetroffen waren. Leichte Knie-Probleme vom Mallorca-Training behinderten den 28-Jährigen nicht mehr. Teamchef Rudy Pevenage versuchte nach den Beschuldigungen Ruhe zu bewahren: «Das ist völliger Blödsinn. Es gibt überhaupt keine neuen Erkenntnisse als vor Monaten». Ullrich demonstrierte Unbekümmertheit und wechselte beim Training durch die Wüste sogar aufs Motorrad.

«Dieser Wettkampf ist für mich optimal, da kann ich ohne viel Druck bei besten Bedingungen trainieren», hatte der zweifache Zeitfahr-Weltmeister Samstag auf der Internetseite seines Arbeitgebers verlauten lassen. Veranstaltet wird die Wüsten-Premiere von der Société du Tour de France, Organisationschef ist Eddy Merckx. Die Initiative zu dem Rennen ging vom Emirat Katar selbst aus. «Hier finden 2006 die Asienspiele statt. Da will man Erfahrungen mit der Organisation von Sport-Veranstaltungen sammeln», sagte Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc.

Der dreifache Toursieger Lance-Armstrong (USA), in den vergangenen zwei Jahren jeweils überlegener Ullrich-Bezwinger in Frankreich, trainiert zur Zeit in Spanien. Er sei gewappnet und wüsste, dass Ullrich die Tour gewinnen möchte. »Mehr Kopfzerbrechen bereitet mir aber Giro-Gewinner Simoni», sagte der Texaner am Wochenende.

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