Profi-Radsport

Jubel über Doppelsieg von Bartko und Lehmann

17.09.2000 - Berlin (dpa) - Sektkorken knallten, und die Telefondrähte glühten. Die erste deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Sydney durch den Berliner Robert Bartko im rein deutschen Verfolgerduell mit Jens Lehmann aus Leipzig hat bei den Angehörigen, Trainern und Vereinskameraden am Sonntag großen Jubel ausgelöst.

Bei den Eltern des Olympiasiegers in Potsdam und Trainer Uwe Freese in Berlin, die den Erfolg zu Hause am Fernseher verfolgten, stand das Telefon schon unmittelbar nach dem Rennen auf Dauerbetrieb. «Das war schon toll. So wie wir es geplant haben, ist es aufgegangen», kommentierte der langjährige Coach von Bartko eher nüchtern und zurückhaltend, während rings um ihn herum ein Jubelsturm losbrach.

Aber auch im Umfeld von Jens Lehmann herrschte eitel Sonnenschein. «Das war unheimlich spannend, ich habe beim Finale und vor allem beim Halbfinale gezittert», gestand Ehefrau Gaby. Sie war in den vergangenen Jahren durch ein Wellental der Gefühle gegangen. Erst als am Samstag feststand, dass ihr Mann das Finale erreicht und damit nach 1992 erneut mindestens eine Silbermedaille sicher hatte, fielen von der ehemaligen DDR-Straßenmeisterin die Lasten der Vergangenheit ab. Denn in den vergangenen acht Jahren hatte sie ihrem Jens nach sportlichen Rückschlägen sehr oft den Rücken stärken müssen.

So war der jetzt 32-jährige Ex-Weltmeister und Mannschafts- Olympiasieger von 1992 beim missglückten Atlanta-Auftritt der Deutschen 1996 nur TV-Beobachter. Lehmann war damals trotz ausgezeichneter Leistungen als «zu alt» abgestuft und nicht in den Kader aufgenommen worden. Bartko war zur gleichen Zeit als «Versager» für das Scheitern des Vierers bei den Atlanta-Spielen ausgemacht worden und stand sogar vor dem frühen Ende seiner Karriere.

Der Durchbruch für beide kam erst mit dem neuen, in diesem Jahr tödlich verunglückten Bundestrainer Robert Lange. Dieser vertraute beiden und setzte sie auch wieder im Vierer ein. Bei der Weltmeisterschaft in Berlin vor einem Jahr zahlte sich das aus: Gold mit der Mannschaft, Gold und Silber in der Einzelverfolgung durch Bartko und Lehmann. Wiederholung in Sydney 2000.

Beide haben nun in Sydney nahtlos an den WM-Auftritt von Berlin angeknüpft und Langes Konzept umgesetzt. Aber der Weg war hart: Bartko hatte im Frühjahr einen schweren Trainingsunfall und brach sich das Schlüsselbein. Lehmann kollidierte gleich zwei Mal mit Autos, einmal auf Mallorca zu Beginn des Jahres, das zweite Mal erst wenige Tage vor Eröffnung der Spiele in Sydney. Dabei flog er sogar durch die Frontscheibe des Fahrzeugs. «Jens hat mich sofort angerufen. Ich habe noch vor den Meldungen im Radio Bescheid gewusst. Das war sehr wichtig», schilderte die Ehefrau und erzählte, dass ihr Mann vor der Sydney-Reise davon gesprochen hat, dass er noch nicht vom Rad steigen will und sogar an Athen 2004 denkt.

Trainer Freese hat gemeinsam mit seinem Schützling Bartko trotz der Absage des Teams Telekom ein gutes Profi-Angebot in der Hinterhand. «Mal sehen, was sich jetzt noch ergibt. Der Vierer wird noch eine Klasse besser, der kann Weltrekord fahren. Robert und Jens haben sich bestens verkauft. Robert ist nach Sydney gefahren, um zu gewinnen, dafür haben wir mehr als hart gearbeitet.» In Anspielung auf die Querelen der Vergangenheit fügte Gaby Lehmann hinzu: «Beide haben nicht aufgegeben, jetzt ernten sie die Früchte harter Arbeit.»

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