Kittel spielt im Sprint von Reims keine Rolle

4 aus 6: Greipel setzt deutsche Siegesserie fort

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André Greipel (Lotto-Belisol) gewann in Reims die 6. Etappe der Tour de France 2014. | Foto: Cor Vos

10.07.2014  |  Reims (dpa/rsn) - André Greipel (Lotto Belisol) hat die deutschen Radsport-Festspiele bei der 101. Tour de France in eindrucksvoller Manier fortgesetzt. Der 31-Jährige sorgte am Donnerstag auf der 6. Etappe über 194 Kilometer von Arras nach Reims für den vierten deutschen Tagessieg in diesem Jahr.

Greipel verwies Mailand-San-Remo-Gewinner Alexander Kristoff (Katusha) und Samuel Dumoulin (Ag2R) mit deutlichem Vorsprung auf die Plätze.

Der gebürtige Rostocker, der in den ersten Sprints noch enttäuscht weil kaum daran teilgenommen hatte, gewann seine insgesamt sechste Tour-Etappe, womit er zu Didi Thurau auf dem fünften Platz der erfolgreichsten deutschen Tour-Starter aufschloss. Der 31-Jährige war auch bei der vergangenen Tour auf der 6. Etappe - damals in Montpellier - der Schnellste gewesen.

Die Führung in der Gesamtwertung verteidigte der Italiener Vincenzo Nibali (Astana). Der Girosieger von 2013 liegt weiter zwei Sekunden vor seinem dänischen Teamkollegen Jakub Fuglsang. Das Grüne Trikot behielt der Slowake Peter Sagan (Cannondale), der Etappenfünfter wurde.

„Das ist eine große Erleichterung. Es lag viel Druck auf unseren Schultern, nachdem es an den ersten Tagen aus verschieden Gründen nicht funktioniert hat“, sagte der Deutsche Meister nach seinem Coup und blickte auch Richtung Fußball-WM in Brasilien: „Vier deutsche Etappensiege und Deutschland bei der WM im Finale. Das ist eine richtig tolle Woche.“

Die deutsche Bilanz ist bei der 101. Tour schon vor dem Ende der ersten Woche beeindruckend. Mit vier Siegen befinden sich die zehn deutschen Tour-Starter auf Rekordkurs. Die Bestmarke mit sechs Tagessiegen aus den Jahren 1977 und 2013 wackelt.

Greipel war diesmal in der Entscheidung perfekt platziert und hatte auf der leicht ansteigenden Zielgeraden vor den Augen des französischen Staatspräsidenten Francois Hollande die größten Kraftreserven. Der dreifache Etappengewinner Marcel Kittel, dessen Giant-Shimano-Team die gesamte Etappe für Tempo im Feld gesorgt hatte, ließ dagegen kurz vor dem Ziel abreißen. „Es ist natürlich enttäuschend, eine Chance wegzugeben, gerade, weil wir den ganzen Tag gearbeitet haben. Am Ende ist etwas schiefgelaufen - aber das ist jetzt keine Kritik, so was passiert. Wir müssen uns jetzt zusammensetzen und drüber reden“, erklärte der Erfurter im Ziel.

Wie schon auf den vorherigen Etappen dauerte es nicht lange, bis die Gruppe des Tages stand: Der Niederländer Tom Leezer (Belkin), der Spanier Luis Angel Maté (Cofidis) sowie die beiden Franzosen Jérôme Pineau (IAM) und Arnaud Gerard (Bretagne-Séché Environnement) zogen schon auf den ersten Kilometern davon und bekamen vom Feld bis zu vier Minuten an Vorsprung zugestanden.

Im Feld übernahm nicht Astana, sondern Giant-Shimano den Löwenanteil der Nachführarbeit. Im einsetzenden Regen hatte Kittels Helferriege den Rückstand bis zum Zwischensprint bei Kilometer 119 auf unter zwei Minuten gedrückt.

Kurz zuvor hatten zwei Stürze das Feld auseinander gerissen, bei denen unter anderem Greipels Freund und Zimmerkollege Marcel Sieberg sowie der Französische Meister Arnaud Démare (FDJ.fr), der Niederländer Tom Jelte Slagter (Belkin), der Russe Egor Silin (Katusha) und die Spanier Xabier Zandio (Sky) und Daniel Navarro (Cofidis) zu Boden gingen. Silin und Zandio mussten kurz darauf das Rennen aufgeben.

Kurz danach lagen auch Sagan, der sich beim Zwischensprint zehn Punkte sicherte, und weitere Fahrer auf dem Asphalt, und das Feld teilte sich erneut. Dabei büßte Contador mit Jesus Hernandez einen wichtigen Berghelfer ein. Doch auch diesmal wartete die erste Verfolgergruppe auf die abgehängten Kollegen.

Erst danach setzte das Feld die Jagd auf die Ausreißer fort, die an der zweiten und letzten Bergwertung des Tages 37 Kilometer vor dem Ziel noch rund eine Minute Vorsprung aufzuweisen hatte. Maté sicherte den Bergpreis an der Côte de Roucy, wie zuvor schon den an der Côte de Coucy-le-Château-Auffrique und hielt damit seinem Teamkollegen Cyril Lemoine im Kampf um das Bergtrikot den Rücken frei.

Erst auf den letzten Kilometern nach Reims hinein orientierten sich auch andere Sprintermannschaften wie Omega oder Lotto nach vorne, wo sich auch Contadors Helfer breit gemacht hatten. Kurz vor dem Zusammenschluss attackierten Maté und Pineau aus der Spitzengruppe heraus. Während der Franzose 15 Kilometer vor dem Ziel ins Feld zurück fiel, wehrte sich der Spanier weiter mit allen Kräften, musste aber kurz darauf ebenfalls kapitulieren.

Prompt stellte Omega Pharma-Quick Step bei Seitenwind das Feld auf die Windkante und führte eine erneute Teilung herbei. Und auch auf den letzten Kilometern - die durch sieben Kreisel führten – waren es Tony Martin und seine Teamkollegen, die für ein horrendes Tempo sorgten, so dass die abgehängte Gruppe nicht mehr den Anschluss fand.

Drei Kilometer vor dem Ziel zog Luca Paolini mit seinem Teamkollegen Kristoff nach vorn, doch der Norweger war wie schon auf der 4. Etappe zu früh dran und nahm wieder raus. Unfreiwillig rausnehmen musste auch Kittel, der mit Rückstand das Ziel erreichte.

Auf dem letzten Kilometer versuchte es Martins Teamkollege Michal Kwiatkowski mit einer späten Attacke, doch die Sprinterteams ließen sich wieder nicht überraschen. Im wilden Finale trat Greipel, der sich diesmal als Einzelkämpfer versuchte, rund 150 Meter vor dem Ziel an und fuhr mit deutlichem Vorsprung seinen sechsten Tagessieg ein, mit dem er bis auf einen an Kittel heranrückte, der sieben auf seinem Konto hat. Dagegen musste Kristoff wie schon in Lille auf der 4. Etappe, die Kittel gewonnen hatte, einem deutschen Sprinter den Vortritt lassen.

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