Frankfurter wird Zweiter auf 19. Tour-Etappe

Cleverer Navardauskas jubelt, Degenkolb muss weiter warten

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Ramunas Navardauskas (Garmin-Sharp) bejubelt seinen Sieg auf der 19. Tour-Etappe. | Foto: Cor Vos

25.07.2014  |  Bergerac (rsn/dpa) - Bei Donnergrollen und sintflutartigen Regenfällen sind John Degenkolbs Hoffnungen auf seinen ersten Tour-Etappensieg weggespült worden. Nach dem Abschied aus den Pyrenäen erlebte der Frankfurter ein bitteres Déjà-vu.

Wie schon auf der 11. Etappe sprintete Degenkolb auch auf dem drittletzten Teilstück der 101. Frankreich-Rundfahrt auf den zweiten Platz. Diesmal musste der Giant-Shimano-Profi Ausreißer Ramunas Navardauskas aus Litauen den Vortritt lassen, der seinem Garmin-Sharp-Team den ersten Tageserfolg bei der diesjährigen Tour bescherte. Den dritten Platz belegte am Freitag in Bergerac nach 208,5 unter teils schwierigen Witterungsverhältnissen absolvierten Kilometern der Norweger Alexander Kristoff (Katusha), der zuvor bereits zwei Etappen gewonnen hatte.

„Das war ein ganz großer Traum von mir. Ich wollte unbedingt mal eine Etappe bei der Tour gewinnen. Heute hat es endlich geklappt. Ich bin meinem Team unglaublich dankbar. Sebastian Langeveld hat mir die Attacke super vorbereitet“, sagte der 26-jährige Navardauskas, der als erster Litauer in der Tour-Geschichte einen Etappensieg feiern konnte, den er sich mit einer Attacke kurz vor der Bergwertung des einzigen kategorisierten Anstieges des Tages sicherte.

„Wir hatten das so geplant, dass einer von uns in der Gruppe des Tages sein sollte, so dass wir im Anstieg nicht würden arbeiten müssen. Zum Glück war das für uns Tom Jelte Slagter. Er hat einen tollen Job gemacht und hatte noch die Kraft, mir bis zum Gipfel zu helfen. Das hat mir zusätzliche Motivation gegeben. Und dann wollte ich meine Teamkollegen nicht enttäuschen“, so der Allrounder, der bereits im vergangenen Jahr eine Giro-Etappe für sich hatte verbuchen können.

Das Gelbe Trikot des designierten Toursiegers Vincenzo Nibali (Astana), der nach seiner Klettershow im Gebirge in der Heimat euphorisch gefeiert wurde, war auf der Flachetappe durch die Weinberge der Dordogne nicht mehr in Gefahr, wurde aber bei den teils heftigen Regenschauern gehörig durchnässt. Nur noch 191,5 Kilometer trennen den 29-jährigen Sizilianer vom größten Erfolg seiner Karriere und dem ersten italienischen Toursieg seit Marco Pantani 1998.

Nibali liegt in der Gesamtwertung komfortable 7:10 Minuten vor dem Franzosen Thibaut Pinot (FDJ.fr). Auf den ersten Plätzen des Gesamtklassements gab es keine Änderungen. Nach einem Sturz innerhalb der Drei-Kilometer-Zone war zwar das Feld auseinander gerissen und Nibali und weitere Fahrer aus den Top Ten kamen mit Rückstand ins Ziel. Doch sie wurden alle zeitgleich mit den Ersten gewertet.

Degenkolb jagt weiter seinem ersten Tour-Etappensieg hinterher. „Es war ein völlig verrücktes Wetter und ein verrückter Tag. Ich bin um den Massensturz kurz vor dem Ziel herumgekommen, aber im Finale war ich alleine“, sagte der Gent-Wevelgem-Gewinner, nachdem er sich gefasst hatte. Und sein Teamkollege Marcel Kittel ergänzte: „Es ist schon enttäuschend für John, dass es wieder nicht geklappt hat.“

Noch unerfreulicher verlief der Tag für peter sagan, dessen Cannondale-Team wieder alles versucht hatte, den Kapitän zu dessen erstem Etappensieg bei dieser Tour zuverhelfen. Doch der Slowakische Meister zählte ebenfalls zu den Sturzopfern konnte nicht ins Finale eingreifen. „Das war wiederum ein schlechter Tag", meinte Sagan im Ziel. „Der Boden war sehr nass, sehr rutschig, und ich bin von ganz alleine zu Fall gekommen. Aber gleichzeitig hatte ich Glück im Unglück. Ich habe mir nichts gebrochen und werde Paris mit dem Grünen Trikot erreichen, das ist der Grund,w arum ich hierher gekommen bin.“

Kurz nach dem Start machte sich Cyril Gautier (Europcar) davon, dem Franzosen schlossen sich sein Landsmann Arnaud Gerard (Bretagne-Seche Environnement), der Schweizer Meister Martin Elmiger (IAM), der Niederländer Tom Jelte Slagter (Garmin-Sharp) und nach 16 Kilometern schließlich noch der Este Rein Taaramae (Cofidis) an.

Im starken Regen, aber bei milden Temperaturen fuhr das Quintett auf das Feld, in dem vor allem die Sprinterteams Giant-Shimano, Cannondale und Lotto Belisol die Kontrolle übernahmen, einen Vorsprung von rund drei Minuten heraus. Mehr gestanden die Verfolger den Ausreißern nicht zu. Als erster fiel Gerard 25 Kilometer vor dem Ziel aus der Spitzengruppe heraus, die kurz darauf nach einer Attacke endgültig auseinander fiel.

Der kleine Niederländer hielt sich im strömenden Regen bis zur Bergwertung an der Côte de Monbazillac (4. Kat., 1,3 km, 7,6 %) 13 Kilometer vor dem Ziel an der Spitze. Hier stieß Navardauskas zu seinem Teamkollegen vor, der ihn in die glitschige Abfahrt hinein lotste, auf der sich der Gewinner der diesjährigen Sarthe-Rundfahrt bis zu einer halben Minuten an Vorsprung auf das immer kleiner werdende Feld herausfahren konnte.

Aber erst, als sich am Ende der Abfahrt Tony Martin (Omega Pharma-Quick Step) vor das Feld spannte, schrumpfte der Abstand zusammen. Da sich die Verfolger aber nicht einig waren, konnte Navardauskas einen kleinen Vorsprung bis ins Ziel retten, wobei ihm neben seinen Roller-Qualitäten auch zwei Kreisverkehre und gleich drei 90 Grad-Kurven auf den letzten drei Kilometern in die Karten spielten.

Gut zwei Kilometer vor dem Ziel sorgte der Massensturz, bei dem in einer der gefährlichen Kurven zahlreiche Fahrer zu Boden gingen – darunter auch mehrere aus den Top Ten der Gesamtwertung, die aber wegen der „Drei-.Kilometer-Regel“ keine Zeit einbüßten – für weitere Unordnung im Feld, von der der Ausreißer profitierte.

 Als sich schließlich erneut Omega Pharma-Quick Step in Gestalt von Niki Terpstra 1500 Meter vor dem Ziel opferte, war es zu spät. Navardauskas kam auch heil durch die letzten beiden Kurven und konnte den größten Sieg seiner Karriere feiern, wogegen sich Degenkolb zum zweiten Mal in diesem Jahr mit Rang zwei begnügen musste.

 

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