Zitat der Woche:
"Bernhard ist sicherlich das Zeitfahren seines Lebens gefahren."
(Gerolsteiners Sportlicher Leiter Christian Henn über Bernhard Kohl)
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18.05.2001 -
Pescara (dpa) - Jan Ullrich und Danilo Hondo kamen fast wie im Winter gekleidet gerade von einer zweistündigen Trainingsfahrt zurück ins Telekom-Hotel direkt am Adria-Strand. Teamchef Rudy Pevenage legte unter grauem Himmel seinen Wunschzettel für den in Pescara beginnenden 84. Giro d`Italia vor: «Wir wollen mit einem guten Ullrich und ein oder zwei Etappensiegen herauskommen.»
Die vor einer Woche beendete Tour de Romandie hat dem Olympiasieger sichtlich gut getan, nachdem die letzten beiden April-Wochen in Ullrichs Vorbereitung für den großen Saison-Höhepunkt Tour de France laut Pevenage alles andere als optimal gelaufen waren. «Jan hat zurzeit vielleicht 70 Prozent seines Leistungsvermögens. Wir schauen uns die ersten 14 Tage hier an, wie es bei ihm läuft. Dann sehen wir mal», gab Pevenage die Marschrichtung bekannt.
Der Giro-Mit-Veranstalter «Gazzetto dello Sport» jubelt Ullrich weiter als Mitfavoriten mit schlummernden Interessen hoch und himmelte den Vuelta-Gewinner von 1999 und sein Team als «Kaiser mit königlicher Garde» an. Immerhin gibt Pevenage auch schon deutliche Hinweise auf die erhoffte Leistungsexplosion seines Schützlings: «Sein Sieg beim Zeitfahren am 3. Juni am Gardasee würde mich nicht überraschen.» Im Tour-Generalstabsplan steht bei Telekom noch ein Termin beim Teamsponsor Audi auf der Liste: Zusammen mit Ullrich sollen nach dem Giro in Ingolstadt eventuell noch letzte Feinheiten am Material verbessert werden.
Ullrich gab sich auch in Silvi Marina, sieben Kilometer von Pescara entfernt, wie immer zurückhaltend. «Die Romandie-Rundfahrt war wichtig für mich. Meine Form steigert sich. Ich habe sicher noch nicht die Kondition, um beim Giro mit dem Podium zu spekulieren, aber bei einer Etappe werde ich mich richtig testen. Ich wollte nicht nach Italien kommen, ohne etwas in den Beinen zu haben», sagte er 24 Stunden vor dem Prolog, der besonders für die Sprint-Zweitbesetzung im Team hinter Erik Zabel wichtig ist.
Danilo Hondo, in dieser Saison schon zwei Mal erfolgreich, spekuliert insgeheim auf das Rosa Trikot. «Er ist im Prolog sicher stärker als Cipollini und hätte das Trikot in den zu erwartenden Sprints mit den Zeitgutschriften in den ersten Giro-Tagen in Reichweite», meinte Pevenage. Auf der letzten Etappe der Romandie-Rundfahrt fehlten dem Cottbuser, genau wie Ullrich Giro-Debütant, hinter dem von der Tour de France ausgesperrten Mario Cipollini im Schlussspurt nur Zentimeter.
Pevenage betreut in Italien eine Sportgruppe mit sehr unterschiedlichen Interessen. Sein Top-Fahrer soll eigentlich nur trainieren und vielleicht in der letzten Woche den «wahren Ullrich» aufblitzen lassen. Mitrollen ohne negativ aufzufallen mit der Möglichkeit von Akzentsetzungen in den Bergen - dieses Programm gilt auch für seine Tour-Leibgarde Giuseppe Guerini (Italien) und Kevin Livingston (USA).
Neuling Roberto Sgambelluri (Italien), 1999 Zehnter beim Giro, hat Ambitionen für das Gesamtklassement und will sich für das Telekom- Tourteam empfehlen. Sein hoch motivierter Landsmann Alberto Elli (37), nicht mehr für die Tour vorgesehen, will unbedingt eine Etappe gewinnen, genau wie Hondo. Der Cottbuser wird in Frankreich nicht starten. Die neun Telekomfahrer für die Tour sollen vor den deutschen Meisterschaften Ende Juni nominiert werden. Ullrich, Zabel, Andreas Klöden (Berlin), Alexander Winokurow (Kasachstan), Livingston und Guerini gelten als gesetzt.
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