Profi-Radsport

Piil belebt dänische Friedensfahrt-Tradition

20.05.2001 -

Potsdam (dpa) - Der Däne Jakob Piil hat die erfolgreiche dänische Friedensgeschichte wieder belebt und kann sich nun Hoffnungen auf die Tour de France machen. 47 Jahre nach dem letzten Sieg seines Landsmannes Eluf Dalgaard ist der 31-Jährige der fünfte Gesamtsieger aus Dänemark.

Sein Team CSC World Online blieb extra einen Tag länger in Potsdam, um den Gesamterfolg bei der 54. Internationalen Friedensfahrt zu feiern. «Jakob ist einer von zwölf Kandidaten des Teams für die Tour de France. Wir fahren jetzt zur Rundfahrt Midi Libre, dann nach Amerika und zur Tour du Sud, danach entscheiden wir», sagte Teamchef Christian Andersen. «Jakob hat gute Karten.»

Dem vor allem als Bahnfahrer bei Sechstage-Rennen bekannten Radprofi aus dem Team des Tour-Siegers Bjarne Riis genügte auf dem Schlussabschnitt von Schkeuditz nach Potsdam über 166 km ein Platz im geschlossen ankommenden Feld zur Verteidigung der Spitzenposition. Piil, vor Jahren in eine nie ganz geklärte Dopingaffäre bei einem Sechstagerennen in Bordeaux verwickelt, hatte im Verlauf der Rundfahrt zwei Etappensiege gefeiert und beim Einzelzeitfahren am Freitag von Greiz nach Plauen als Fünfter die Führung erobert.

Auch der zweitplatzierte Spanier Aitor Garmendia kommt aus einer Mannschaft der ersten Kategorie, dem deutschen Team Coast. Er spielte auf den schweren Strecken durch das Erzgebirge seine Stärken als Bergfahrer aus. «Das Rennen war viel schwerer als ich vorher angenommen habe. Es wurde unwahrscheinlich aggressiv und schnell gefahren. Aber es fehlte eine richtige Bergankunft», sagte der Spanier, der viele Jahre als Edelhelfer Anteil an den Erfolgen des fünfmaligen Tour-Siegers Miguel Indurain hatte. «Aitor hätte die Rundfahrt sonst gewonnen», schätze Teamchef Andreas Petermann aus Leipzig ein, dessen Mannschaft nach der verpassten Einladung zur Tour de France nun in wenigen Wochen bei der Deutschland-Rundfahrt mitmischen will.

Für die Überraschung der 54. Friedensfahrt hat aber ein drittklassiges Team aus Leipzig gesorgt. Als bester Deutscher kam der Geraer Enrico Poitschke vom Team Wiesenhof auf den sechsten Rang. Poitscke erkämpfte einen Tageserfolg, bezwang dabei den neunmaligen Tour-Etappensieger Tom Steels aus Belgien und trug zwei Tage das Gelbe Trikot. Sein Teamgefährte Andre Schulze sicherte sich das Trikot des besten Sprinters. Weitere deutsche Tagessieger waren die Berliner Christian Lademann vom Team Agro Adler und Uwe Peschel (Gerolsteiner), der Leipziger Thomas Liese (Nürnberger) im Zeitfahren sowie Nationalfahrer Tilo Schüler (Fürstenwalde).

Telekom-Nachwuchsfahrer Schüler sprang damit für seine Profi- Kollegen vom Bonner Vorzeige-Rennstall in die Bresche, die nach dem Ausstieg des Doppel-Olympiasiegers Robert Bartko (Berlin) bereits auf der ersten von zehn Etappen nie zum Zuge kamen. Bester Telekomer wurde am Ende der Berliner Torsten Hiekmann als Elfter.

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