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"Ich kann noch gar nicht begreifen, dass ich jetzt Zweiter der Tour bin!"
(Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl nach der 15. Tour-Etappe)
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20.05.2001 -
Francavilla al Mare (dpa) - Der 84. Giro d`Italia hatte es für Jan Ullrich schon zum Auftakt mächtig in sich. Eine Erkältung und ein Sturz auf regennasser Straße - ging mit leichten Schürfwunden ab - warfen den 27-jährigen Olympiasieger schon am ersten Giro-Wochenende zurück.
Allerdings erfüllte Ullrich am Ende der ersten Etappe nach 202 km in Francavilla al Mare, wo sich der Italiener Ellis Rastelli als Überraschungssieger feiern ließ, die augenblickliche Minimal-Forderung: Der Telekom-Kapitän erreichte das Ziel in einer großen Verfolgergruppe 1:55 Minuten nach Rastelli und belegt im Gesamtklassement jetzt Rang 96 mit 2:34 Minuten Rückstand auf Rik Verbrugghe.
Der 27-jährige Belgier verteidigte sein Rosa Trikot, dass er mit Rekordzeit als Schnellster des 7,6 km langen Prologs am Samstag in Pescara geholt hatte. Nach seinem 85. Rang auf den ersten 7600 m des Giro 39 Sekunden nach Verbrugghe verlor Ullrich am Sonntag weiteren Boden, was angesichts seiner Interessen in Italien - Einrollen für die Tour de France - nicht sehr ins Gewicht fiel. «Den Umständen entsprechend bin ich ganz zufrieden. Ich bin froh, dass es heute vorbei ist und ziemlich kaputt», sagte Ullrich im Ziel.
Sein Giro-Debüt geriet schon zu Rundfahrt-Beginn zum Unternehmen mit vielen Unbekannten. «Wenn er den heutigen Tag übersteht, ist er so gut wie über den Berg», hatte sein Masseur und langjähriger Vertrauter Dieter Ruthenberg am Start gesagt. In Francavilla konnte der mit Antibiotika behandelte Ullrich die erste Etappe abhaken und feststellen, dass er zumindest die erste Bergwertung nach 66 km unbeschadet überstanden hatte. Dabei kam dem Telekom-Kapitän, der in Italien Kurs auf seinen zweiten Tour-Sieg nehmen will, das anfangs moderate Tempo sicher entgegen. Nach drei Stunden lag das Stundenmittel immer noch in auch touristentauglichen Bereichen. Das änderte sich aber schnell.
Die Italiener Domenico Gualdi und Mirko Marini hatten nach 11 km die erste Attacke des diesjährigen Giro lanciert. Sie arbeiteten lange erfolgreich zusammen. Auf der ersten Steigung, dem 1320 m hohen Abruzzen-Pass Capraro, hatten die beiden 4:30 Minuten Vorsprung auf die Verfolger. Aber 25 km vor dem Ziel an der Adria-Küste war ihr Ausflug beendet. Auf der letzten Abfahrt 20 km vor dem Ziel überschlugen sich die Ereignisse, und die Fahrer gingen auf regennasser Straße mit teilweise Kopfsteinpflasterbelag reihenweise zu Boden.
Ullrich war gewarnt und überstand diese gefährlichen Passagen ohne weiteren Sturz. Er war auf einer Brücke 53 km vor Francavilla mit anderen Fahrern zu Boden gegangen, ohne sich zu verletzen. Wenig später hatte er wieder zum Feld aufgeschlossen. Bei den letzten Attacken, von einem entfesselten Marco Pantani entfacht, konnte er aber nicht mehr folgen. «Auf so einer wilden Etappe kann vieles passieren. Ich bin froh, dass es für uns noch einigermaßen glimpflich verlief. Ich hoffe, Jan geht es morgen gesundheitlich besser», meinte Teamchef Rudy Pevenage.
Zum Prolog am Samstag war Ullrich quasi direkt aus dem Bett gestartet. Dafür war sein Abschneiden auf den ersten Metern von 3577 Giro-Kilometern aller Ehren wert. Der Zeitfahr-Weltmeister von 1999 war hinter seinem Team-Kollegen Danilo Hondo (Cottbus/28 Sekunden zurück) Zweitbester der vier deutschen Starter. «Jan hatte fast den ganzen Tag im Bett gelegen, fuhr mit dem Rad zum Start und dann den Prolog», hatte Pevenage berichtet.
Der vom Rückenwind bevorteilte Verbrugghe, im April eindrucksvoller Gewinner des Fleche Wallonne, war mit einem Stundenmittel von 58,87 km den schnellsten Giro-Prolog gefahren.
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